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Full text of "Der bayerische Geschichtsschreiber Karl Meichelbeck 1669-1734"


Der bayerische Gesehiehtssehreiber 

Karl Meichelbeck 



leeo— 1734. 



Fes t r e de 

gehalten in der 

öffentlichen Sitzung der k. b. Akademie der Wissenschaften 

zu München 

zur Feier ihres 138. Stiftungstages 

am 27. März 1897 



Franz Ludwig Baumann 

a. o. Mitglied der historischen Classe. 




München 1897 

Verlag der k. b. Akademie. 
In Commission des G. Franz'schen Verlags (J. Roth). 




Der bayerische Gesehiehtssehreiber 

Karl Meichelbeck 

leeo— 1734:. 



Fes t r e de 

gehalten in der 

öffentliclien Sitzung der k. b. Akademie der Wissenschaften 

zu München 

zur Feier ihres 138. Stiftungstages 

am 27. März 1897 



Franz Ludwig Baumann 

a. o. Mitglied der historischen Classe. 



München 1897 

Verlag der k. b. Akademie. 
In Commission des G. Franz'schen Verlags (J. Roth). 



{^ 



/ \A(XK/^ 



An dieser Stelle, auf der heute zu stehen ich die hohe Ehre 
habe, wurde bereits über die Geschichtsschreibung in Bayern unter 
dem Kurfürsten Maximilian I. und über die Förderung der Geschichts- 
wissenschaft in Bayern durch unsere Akademie gesprochen.^) 

Zwischen dem Tode des Kurfürsten Maximilian und der Stiftung 
unserer Akademie liegt ein Jahrhundert, dessen historiographische 
Thätigkeit in unserm Lande bisher noch nicht eingehender behandelt 
worden ist. Es sei mir desshalb gestattet, am heutigen Festtage an 
dieser Stelle über die Pflege der Geschichtswissenschaft in Kurbayern 
während der ersten acht Jahrzehnte dieses Jahrhunderts zu sprechen. 

Als Kurfürst Maximilian 1651 starb, Hess dank seinem that- 
kräftigen Eingreifen Bayern alle Gebiete Oberdeutschlands, um nicht 
zu sagen, das ganze hl. Römische Reich Deutscher Nation an historio- 
graphischen Leistungen weit hinter sich zurück. Schon 1710 hat 
das kein geringerer denn Leibnitz, der bekanntlich die Werke zweier 
bayerischer Geschichtsschreiber der maximilianeischen Zeit neu heraus- 
gegeben hat, anerkannt; ich brauche da nur an seine oft wiederholten 
Worte zu erinnern: „NuUa Germaniae Superioris pars meliores histo- 
ricos invenit, quam Bavaria, sive res sacras sive civiles spectes." 

Was anderes sollte man also erwarten, als dass diese maximilia- 
neische Pflege der Geschichtswissenschaft in den folgenden Jahrzehnten 
reiche Fortsetzung und Vertiefung in Kurbayern gefunden hätte, und 
doch ist dem nicht so gewesen. Diese Thatsache ist um so auffälliger, 
als des grossen Kurfürsten Sohn Ferdinand Maria, dem erhabenen 
Vorbilde seines Vaters nacheifernd, die Geschichtswissenschaft in 
seinem Lande zu fördern ebenfalls bestrebt war, ist er es doch, der 






für die Herausgabe des bedeutendsten Werks der maximilianeischen 
Geschichtsforschung, der Annalen des Jesuiten Vervaux, durch seinen 
Kanzler Adlzreiter 1662 sich interessiert hat.^) Auch seine Gemahlin 
Adelhaid, die hochsinnige Tochter des savoyischen Fürstenhauses, 
zeigte lebhaftes Interesse für die ruhmvolle Vergangenheit der Witteis- 
bacher. Nicht weniger beseelte ihren heldenmüthigen Sohn, den Kur- 
fürsten Max Emanuel die Liebe zur Geschichte; er ist selbst Geschichts- 
schreiber geworden, insoferne er über seine gewaltigen Kriegsthaten 
mit Sorgfalt ausgearbeitete Memoiren schrieb, die leider spurlos ver- 
schwunden sind, seit sie 1704 bei Tuttlingen in die Hände badischer 
Reiter gefallen sind.^) 

An den kurbayerischen Witteisbachern der zweiten Hälfte des 
17. Jahrhunderts lag es somit nicht, dass die Geschichtsschreibung 
des maximilianeischen Zeitalters nicht auch unter ihnen fortgesetzt 
wurde. Sie fanden in eigenem Lande dazu keine geeigneten Kräfte. 
Die alten Meister, welche für den Kurfürsten Maximilian I. gearbeitet 
hatten, waren gestorben, ohne für einen tüchtigen Nachwuchs gesorgt 
zu haben. 

So kam es, dass man sich in Kurbayern in der zweiten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts begnügte, das panegyrische Werk Brunners 
„Excubiae tutelares Ferdinandi Mariae" von 1637 unter neuen Titeln 
und um die Lebensbeschreibung Ferdinand Maria's vermehrt neu 
herauszugeben.*) 

Nicht einmal die Grossthaten des Kurfürsten Max Emanuel 
gegen die Türken haben ein bayerisches Landeskind zur Veröffent- 
lichung einer Geschichte derselben begeistert.^) Auch die von seinem 
Volke so freudig begrüsste Rückkehr Max Emanuels in sein Land 
veranlasste 1715 lediglich die oberdeutsche Jesuitenprovinz zu Ehren 
dieses Fürsten den Panegyricus „Fortitudo Leonina in utraque for- 
tuna Maximiliani Emanuelis secundum heroica maiorum suorum 
exempla herculeis laboribus repraesentata" zu verfassen, aber dieses 
Werk besitzt keinen wirklichen historiographischen Werth, seine Be- 
deutung ist lediglich in seinem bildnerischen Schmucke zu suchen.^') 



Bei diesem Mangel an einheimischen Kräften waren die Kur- 
fürstin Adelhaid und ihr Sohn Max Emanuel genöthigt, die bayerische 
Landesgeschichte durch Fremde pflegen zu lassen. 

Die Kurfürstin Adelhaid beauftragte, um die Grösse des Witteis- 
bachischen Hauses auch im Auslande bekannt zu machen, den Savo- 
yarden Thomas Blanc, die Geschichte Bayerns in der herrschenden 
Sprache ihrer Zeit, der französischen, darzustellen.'^) Kurfürst Max 
Emanuel aber veranlasste um 1680 seinen Obersten, den Italiener 
Johann Franz Diani, die bayerische Geschichte von 1517 an zu 
bearbeiten und wurde so der Urheber eines weit angelegten Werkes, 
das freilich wegen der Ungunst der folgenden Zeiten niemals zum 
Abschlüsse und zur Ausgabe gelangt ist.^) 

Bei diesem Stande der bayerischen Geschichtsschreibung zwischen 
1650 — 1720 werden wir kaum der Uebertreibung beschuldigt werden, 
wenn wir sagen, dass auf den Aufschwung der Historiographie in 
Bayern unter dem Kurfürsten Maximilian I. der tiefste Niedergang 
derselben ganz unvermittelt gefolgt ist. 

Als Ursache dieses unerfreulichen jähen Wechsels pflegt man 
den dreissigjährigen Krieg zu nennen, und gewiss nicht mit Unrecht. 
Gerade Bayern wurde noch in den letzten Jahren dieses schlimmsten 
aller Kriege absichtlich, um den Kurfürsten Maximilian zum Frieden 
zu zwingen, von den Schweden und PYanzosen mit Raub, Brand und 
Mord fast bis zur Vernichtung heimgesucht. Verarmt und verödet 
fand 1648 der ersehnte Friede das vordem so blühende Land. Es 
wäre wunderbar gewesen, wenn unter solchen Verhältnissen während 
der ersten Friedensjahre in Bayern die Geschichtswissenschaft Pflege 
gefunden hätte. 

Schon nach wenigen Jahren begann Bayern dank der friedlichen 
Regierung des Kurfürsten Ferdinand Maria und der unverwüstlichen 
Lebenskraft seines Volkes sich zu erholen, aber die Geschichtswissen- 
schaft zog aus dieser Besserung der Verhältnisse keinen Gewinn. Es 
ist vielmehr die Kunst, welche die Vollkraft des bayerischen Volkes, 
dem hiezu seine Kurfürsten Ferdinand Maria und Max Emanuel das 



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glänzende Vorbild gegeben, seit etwa 1655 für lange Zeit in An- 
spruch genommen hat.^) Dass diess so gekommen ist, fällt, wenn 
ich richtig urtheile, zum grossen Theile wiederum dem Schweden- 
kriege zur Last. 

Soweit nämlich die Feinde während dieses Krieges, insbesondere 
während seiner letzten Jahre in Bayern vorgedrungen sind, hinter- 
liessen sie zum Andenken beschädigte und verbrannte Orte, Klöster 
und Schlösser, entweihte und verwüstete Kirchen und Altäre. 

So gross war diese vandalische Verheerung in dem weiten Lande 
zwischen Lech und Inn, über den Schweden nie vorzudringen ver- 
mocht haben, dass noch nach Jahren die Bauschäden in diesem 
Landestheile selbst an den Kirchen nicht alle ausgebessert waren, dass 
es noch nach Jahren da nicht w^enige Altäre gegeben hat, die seit 
der Schwedenzeit entweiht geblieben waren. •^^) Diesen Greuel der 
Verwüstung zu beseitigen, das Land wieder wohnlich einzurichten, 
drängte sich von selbst den Bayern als nächste Aufgabe auf, sobald 
sie dazu die nothwendigsten Mittel sich wieder verschafft hatten. 

Die durch die feindlichen Horden geschaffene Noth also ist die 
eine Ursache für die grossartige Bauthätigkeit in Bayern seit der 
Mitte des 17. Jahrhunderts. Dass damals auch bei uns der Stil der 
Zeit, das Barok, zur ausschliesslichen Verwendung gekommen, ist 
selbstverständlich. Damit aber stehen wir auch vor der zweiten Ur- 
sache dieses Bauaufschwunges in Bayern seit 1655. 

Der Barokstil entsprach mit seinen weiten Hallen und Gängen, 
seinen dekorativen Gemälden, seiner prächtigen Stukkatur, seinem 
reichen Bilderschmucke und seiner pompösen Inneneinrichtung ganz 
und gar der heiteren Sinnesart der Süddeutschen überhaupt und der 
des bayerischen Stammes insbesondere. 

Dieses Wohlgefallen an der neuen Bauart aber hat bewirkt, 
dass man in Bayern sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
nicht damit begnügte, die baulichen Verheerungen der Schweden- 
einfälle zu beseitigen. Man ging vielmehr damals weiter: w^o immer 
die Mittel dazu vorhanden waren, begann man in den Städten und 



nicht weniger auf dem Lande im neuen Stile Neubauten aufzuführen 
oder, wenn man doch die alten Gebäude stehen Hess, dieselben nach 
den Anforderungen des Baroks gründlich umzugestalten. Reichten 
die Mittel aber zu solchen Umbauten nicht, so ersetzte man wenig- 
stens die innere Ausstattung der stehen gelassenen alten Gebäude 
zeitgemäss. 

So änderte sich in dieser Zeit geradezu das Antlitz des Bayern- 
landes durch seine grossartige Bauthätigkeit. ^ ^) Diese aber musste 
die schwachen Mittel eines Landes, das sich mühsam aus völliger 
Erschöpfung herausarbeitete, so in Anspruch nehmen, dass für rein 
wissenschaftliche Zwecke in ihm nur Brosamen übrig bleiben konnten. 

"Wie sehr diese Bauthätigkeit dem bayerischen Volksgemüthe 
des 17. Jahrhunderts entsprochen hat, erfahren wir von den zuver- 
lässigsten Zeugen, nämlich den bayerischen Landständen. Dieselben 
geben öffentlich ihrer Freude darüber Ausdruck, dass Bayern „in 
disen gegenwärtigen Standt erwachsen" und dass in ihm eine solche 
Anzahl „schöner Statt, Märckt, Clöster und Schlösser und darinn 
verwunderungswürdige Gebäu von herrlich und kostbar aufgeführten 
Gottestemplen, anschlichen Residenzen und Pallästen sich befinden". 
Sie betrachten es für ihre Pflicht, diesen Glanz des Landes, den sie 
der Fürsorge ihrer Landesherrn allein zuzuschreiben nicht ermangeln, 
in Wort und Bild der ganzen Welt bekannt zu machen. Aus diesem 
Grunde haben sie die „ Historico-topographica descriptio^ d. i. Beschrei- 
bung des Churfürsten- und Hertzogthums Ober- und Nidernbayrn" 
durch den Kupferstecher Michael W^euing, auf ihre Kosten erstellen 
und veröffentlichen lassen. 

Dieses stattliche Werk, dessen erster Band 1701 zur Ausgabe 
gelangte, ist aus dem Hochgefühle geboren, welches das Bayernvolk 
in Folge der Grossthaten seines Kurfürsten Max Emanuel gegen die 
Türken beseelte. Wenn die bayerischen Landstände demselben für 
den Ruhm, der aus seinen Thaten auf sein Land überstrahlte. Dank 
abstatten wollten, so wäre doch am nächsten gelegen gewesen, eine 
Geschichte dieser Thaten selbst herauszugeben. Ein solches Unter- 



8 

nehmen war jedoch ebenso wenig nach ihrem Sinne, als eine Ge- 
schichte ihres Landes und ihres Herrscherhauses. Sie hielten eine 
solche Geschichte geradezu für überflüssig, „Ursachen, bereits ver- 
schydene Emanata in underschidlichen Sprachen verbanden, welche 
hiervon genugsamben Bericht geben". Sie entschlossen sich desshalb 
zu Ehren ihres Kurfürsten „allenthalben von Statt, Märckten, Clöstern 
und Schlössern, Kirchen und Pallästen eygentliche Urkundt, Abriss 
und Beschreibung einhollen, folgends auch den Grabstichel in die 
Hand nemmen z'lassen, umb so wol mit demselben alles genau auf 
dem Kupffer zu entwerffen, als auch mit der Feder der Welt für- 
zustellen, was in disem durch Europa und Asien bekandt gemachten 
Land Ruhmwürdiges kundte zu sehen und zu hören seyn".^''^) 

Aus diesen Angaben der bayerischen Landstände lernen wir eine 
weitere Ursache kennen, die den Tiefstand der Geschichtsschreibung 
in Bayern in der Zeit zwischen 1650 — 1720 mitverschuldet hat, 
nämlich den Glauben, eine Pflege der bayerischen Landesgeschichte 
wäre nicht mehr nöthig, die Geschichtsschreiber der maximilianeischen 
Zeit hätten auf diesem Gebiete unübertreffliches geleistet, man könnte 
ihre Darstellung höchstens zeitlich fortsetzen und neben der Landes- 
geschichte verwandte Gebiete, wie eben die Topographie, die jene 
unberücksichtigt gelassen hätten, bebauen. -^^j 

Dieser Glaube blieb bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts leben- 
dig; erst darnals kam auch in Bayern die Ansicht zur Geltung, dass 
auf dem Gebiete der Geschichte, wie der Wissenschaft überhaupt ein 
Fortschritt möglich und nothwendig sei. Diesen Fortschritt suchte 
man auch in unserm Lande der Sitte der Zeit gemäss durch die 
Gründung gelehrter Gesellschaften herbeizuführen.^'^) 

Schon um 1700 entstand in München die „nutz- und lust- 
erweckende Gesellschaft der vertrauten Nachbarn am Isarstrome, 
d. i. etlicher in selbigem churbayerischen Revier wohnenden guten 
Freunde", die jedoch schon nach wenigen Jahren wieder erloschen 
ist. An ihre Stelle trat 1720 eine neue Gesellschaft, die nicht nur 
staatlich anerkannt, sondern alsbald auch mit dem Range einer 



Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet wurde. Diese nach ihrem 
Protektor, dem Kurprinzen Karl Albert benannte Academia Carolo- 
Albertina, deren geistiger Vater der bekannte Theologe Eusebius 
Amort war, stellte sich die Aufgabe, die Wissenschaften überhaupt 
und neben ihnen auch die schönen Künste zu pflegen. Auf histo- 
rischem Gebiete insbesondere plante sie die Aufspürung der Doku- 
mente und Antiquitäten im ganzen Lande. ^^) In Wahrheit hat sie 
diese selbstgestellte Aufgabe jedoch niemals in Angriff genommen, 
sondern lediglich in ihrer seit 1722 zur Ausgabe gelangten Zeitschrift, 
„dem Parnassus Boicus oder neu eröffneten Musenberg, worauf ver- 
schiedene Denk- und Leswürdigkeiten aus der gelehrten Welt, zu- 
mahlen aber aus denen Landen zu Bayrn abgehandlet werden", Auf- 
sätze aus der bayerischen Landes- und Ortsgeschichte veröffentlicht; 
diese Aufsätze aber sind kaum mehr als Auszüge aus den altern 
Geschichtswerken, entbehren dazu der Kritik und leiden an Ge- 
schmacklosigkeit der Darstellung. Von dieser Gesellschaft des Par- 
nassus Boicus war die Hebung der bayerischen Historiographie nicht 
zu erhoffen. 

Ihre Gründung war überhaupt verfrüht, denn zur Lösung ihrer 
vielen heterogenen Aufgaben ^^) fehlte es einmal während ihres zwanzig- 
jährigen, freilich nur mit Mühe und nicht ohne Unterbrechung auf- 
recht erhaltenen Bestandes (1720 — 40) in Kurbayern an der genügen- 
den Zahl geschulter Kräfte, namentlich an Geschichtsforschern. So- 
dann Hessen sich für die Academia Carolo-Albertina keineswegs alle 
Gelehrten des Landes gewinnen. Gerade der Mann, auf den ich als- 
bald zu reden kommen werde, verweigerte wegen seiner eigenen aller- 
dings fast übergrossen Arbeiten den Eintritt in dieselbe. ^'^) 

Dass es aber noch im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts 
in unserm Lande namentlich an geschulten Geschichtsforschern ge- 
mangelt hat, ist nach dem bisher erörterten leicht zu verstehen. 
Um hier Wandel zu schaffen, musste dem heranwachsenden Geschlechte 
überhaupt erst die Möglichkeit, mit der Geschichte während seiner 
Studienzeit sich bekannt zu machen, geschaffen werden. Diess geschah 



10 

jedoch erst 1726 dadurch, dass der Kurfürst Karl Albert sofort nach 
seinem Regierungsantritte an der Landeshochschule Ingolstadt einen 
eigenen Lehrstuhl für Geschichte errichtet hat.^^) 

Immerhin hat die Academia Carolo-Albertina durch ihre Absicht, 
die Quellen zur bayerischen Geschichte im Lande aufzusuchen, gezeigt, 
dass ihr wenigstens eine Ursache des Tiefstandes der bayerischen 
Historiographie zu ihrer Zeit nicht unbekannt geblieben ist. 

Wollte man in der That in Bayern über die Leistungen der 
maximilianeischen Zeit hinauskommen, so durfte man nicht mit dem 
Quellenmateriale, das den Geschichtsschreibern dieser Zeit zugänglich 
gewesen war, sich begnügen, sondern musste zu demselben hin neue 
Quellen erschliessen. Das war aber noch nicht genügend, man musste 
ausserdem den in den neuen Quellen gefundenen und ebenso den 
längst benützten Stoff mit schärferer Kritik behandeln, als die altern 
an sich so verdienten Historiker Bayerns gethan hatten oder, richtiger 
gesagt, zu ihrer Zeit überhaupt hatten thun können. Mit andern 
Worten, dann musste man auch in Bayern die kritische Methode der 
Geschichtsforschung annehmen, die während des 17. Jahrhunderts 
die französischen Mauriner und voran ihr bedeutendstes Mitglied 
Mabillon^^) ausgebildet hatten. 

Das Wesen dieser Methode — es sei mir gestattet, des Zusammen- 
hanges wegen allbekanntes zu wiederholen — besteht in der con- 
sequenten Anwendung der Grundsätze: Benützung eines möglichst 
grossen Quellenmaterials, namentlich auch des archivalischen , in 
scharfer Prüfung der Echtheit und der Zuverlässigkeit der Quellen, 
im Zurückgehen von Darstellungen zweiter Hand auf gleichzeitige 
Berichte, in der Bevorzugung der Angaben echter Urkunden vor den 
der Chroniken und Annalen. 

Diese Methode, deren zielbewusster Anwendung die heutige 
Geschichtswissenschaft ihre Blüthe verdankt, gelangte seit dem Ende 
des 17. Jahrhunderts allmählich auch in Süddeutschland zur Herr- 
schaft. Schon im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts arbeiteten 
Hansiz in Wien, Falkenstein in Eichstätt, Eccard in Würzburg und 



11 

Schannat in Fulda unabhängig von einander an landesgeschichtlichen 
Werken, welche diese Methode mit Erfolg anzuwenden versuchten. 

Nicht Oesterreich,^^) nicht Franken aber sollte der Ruhm zu 
Theil werden, das erste Geschichtswerk, das die Anforderungen der 
kritischen Methode erfüllt, im Süden des Reiches veröffentlicht zu 
haben. Diesen Ruhm erntete Oberbayern, denn dieses Geschichts- 
werk war der 1724 erschienene erste Band der Historia Frisingensis 
Karl Meichelbeck's, eines Conventualen des bayerischen Klosters Bene- 
diktbeuern. 

Karl Meichelbeck^^) wurde 1669 als Sohn armer Landleute zu 
Oberdorf a/Wertach geboren. Nach Vollendung der Gymnasialstudien 
zu München trat er 1687 in das Kloster Benediktbeuern ein, wohin 
er schon als neunjähriger Knabe gekommen war, um sich musikalisch 
auszubilden, und das er längst als Heimath anzusehen gewöhnt war. 
Er studirte mit Auszeichnung Philosophie und Theologie und wurde 
schon 1696 Bibliothekar seines Klosters. Als solcher hatte er Ge- 
legenheit, seine geschichtlichen Kenntnisse durch das Studium der 
vielen Handschriften der ihm anvertrauten Bibliothek zu bereichern. 
Mit solchem Erfolge benützte er diese Gelegenheit, dass bereits im 
folgenden Jahre 1697 der Präses der bayerischen Benediktinercon- 
gregation kein Bedenken trug, an ihrer für die Novizen ihrer Klöster 
errichteten Lehranstalt ihm trotz seines jugendlichen Alters den Lehr- 
stuhl für kanonisches Recht anzubieten. Diesen ehrenvollen Antrag 
lehnte Meichelbeck jedoch ab, weil er das Jus civile nicht kannte,^^) 

Dagegen konnte er sich dem in demselben Jahre an ihn kom- 
menden Ansinnen, an dem neu gegründeten Lyceum zu PVeising eine 
Professur zu übernehmen, nicht entziehen. Als Lehrer bewährte er 
sich in Freising so sehr, dass schon 1701 die bayerische Benediktiner- 
congregation ihn von dort abrief und ihm an ihrer eben genannten 
eigenen Lehranstalt zuerst den Lehrauftrag für Philosophie, dann 
den für Theologie ertheilte. In dieser neuen Lehrstellung bewährte 
Meichelbeck auch auf dem Gebiete der Geschichte besondere Begabung 
und Kenntnisse. 



12 

Als Professor der Philosophie und Theologie hatte er nämlich 
den Stoff zu den Disputationen seiner Schüler in kleinen Aufsätzen, 
den sog. Exercitationes menstruales, die durch den Druck veröffent- 
licht wurden, beizuschaffen. Zum Theile schon in den philosophischen, 
durchgehends aber in den theologischen Exercitationes verarbeitete er 
geschichtliche Themata, wobei er sich als Anhänger der maurinischen 
Geschichtsforschung zu erkennen gibt. So legte er schon 1706 in seiner 
ersten theologischen Exercitatio, in der er das Leben des Augsburger 
Bischofs Udalrich erzählt, die Vita Udalrici Gerhards als Hauptquelle 
zu Grunde, und zwar desshalb, weil Gerhard der Zeitgenosse dieses 
grossen Bischofs gewesen sei.^^) 

Leider verschweigt er uns, wann er die Geschichte also darzu- 
stellen gelernt hat.^^) Wir wissen nur, dass Meichelbeck, seitdem er 
die neue historiographische Methode kennen gelernt hat, ihr ohne 
Wanken zeitlebens treu geblieben ist, zögerte er doch nicht, nach dem 
Vorbilde der Mauriner deren Anwendung auch in der theologischen 
Wissenschaft zu verlangen, indem er anstatt der bis dahin in Deutsch- 
land üblichen Behandlung dieser Wissenschaft ein Zurückgehen auf 
die ersten Quellen: die hl. Schrift, die Kirchenväter und die Concilien 
fordert ^^) und demgemäss wenigstens in seinem eigenen Kloster Bene- 
diktbeuern das Studium der Kirchen- und ebenso das der Profan- 
geschichte eingeführt hat. 2^) 

Sein historischer Sinn hat denn auch schon 1708 die bayerische 
Benediktinercongregation bewogen, Meichelbeck seines theologischen 
Lehrauftrages zu entheben und ihn zu ihrem Geschichtsschreiber und 
Archivar zu ernennen. ^''^) Das war für seine historiographische Aus- 
bildung von Werth, denn in dieser Stellung hatte er die Annalen der 
Congregation bis kurz vor seinem Tode fortzuführen. 

In diesen Annalen 2^) zeigte Meichelbeck alsbald sein Darstellungs- 
talent. Er erkennt, dass die Thätigkeit der Congregation an sich für 
eine geschichtliche Erzählung zu trocken und eintönig verläuft; er 
belebt desshalb seine Annalen dadurch, dass er in sie die Ereignisse 
in den einzelnen Klöstern (z. B. Baugeschichtliches), welche für die 



13 

ganze Congregation Interesse hatten, aufnimmt und die Erlebnisse der 
Congregation im Zusammenhange mit der Zeitgeschichte überhaupt 
erzählt. ^^) 

Noch wichtiger aber als diese Ernennung war für Meichelbecks 
historiographische Ausbildung, dass in demselben Jahre 1708 auch 
sein eigenes Kloster ihn zum Archivar erkor. Als solcher übernahm 
er eine fast übergrosse Arbeitslast, denn das Archiv von Benedikt- 
beuern war seit langen Jahren vernachlässigt, ja man darf sagen, zu 
einem grossen mit Staub und Schmutz bedeckten Durcheinander ge- 
worden, das nicht weniger denn 421 Kisten füllte. Diesen Zustand 
hat Meichelbeck in wenigen Jahren so gründlich beseitigt, dass Bernard 
Pez, der das Benediktbeurer Archiv 1717 persönlich kennen gelernt 
hat, dasselbe als „scitissime ordinatum" rühmte.^^) Diese mühsame Neu- 
ordnung des ihm anvertrauten Archivs hatte für Meichelbeck selbst aber 
grösste Bedeutung, denn er lernte durch sie den Werth der Urkunden 
für die Geschichtswissenschaft praktisch kennen und konnte sich dabei 
in der Ausnützung derselben für geschichtliche Arbeiten üben. Eine 
solche Gelegenheit war aber zu seiner Zeit, welche die Archive mit 
Argusaugen vor Fremden hütete, ein Glück, das nur wenigen zu Theil 
wurde. Mir ist es nicht zweifelhaft, dass Meichelbeck ohne seine lang- 
jährige archivalische "Wirksamkeit seine Geschichtswerke überhaupt 
nicht hätte schreiben können. 

Vorerst hatte derselbe freilich keine Zeit, an solche Arbeiten zu 
gehen. Trotzdem drang der Ruf von seinem Wissen und Können aus 
seinem Kloster allmählich in weitere Kreise. 

Als 1709 der kurbraunschweigische Gesandte von Schrader in 
Bayern nach Quellen zur Geschichte des Weifenhauses forschte, wies 
ihn Hofrath von Unertl in München an Meichelbeck.^^) 

Noch ehrender aber war es für Meichelbeck, dass in diesem Jahre 
1709 Fürstbischof Johann Franz von Freising in ihm den Mann er- 
kannte, der die Befähigung habe, die Geschichte seines Hochstiftes 
als Festschrift für die bevorstehende Feier des tausendjährigen Be- 
standes desselben, die 1724 begangen werden sollte, zu verfassen. 



14 

Das Vertrauen, das damit der Fürstbischof Meichelbeck geschenkt hat, 
war für diesen um so schätzenswerther, als jener seit Jahren selbst 
die Geschichte thätig gepflegt hatte, indem er die verwahrlosten Doku- 
mente seines Hochstifts buchstäblich aus dem Staube und Moder eigen- 
händig herausgezogen, die Inschriften im ganzen Bisthume Freising 
gesammelt und seinen Neffen und Hofmarschall, den Freiherrn Franz 
Sigmund von Ecker auf Kapfing und Lichteneck, veranlasst hatte, 
von den Urkunden seines Hochstifts chronologische Verzeichnisse anzu- 
fertigen.^^) Trotzdem lehnte Meichelbeck den Antrag, die Geschichte 
des Bisthums Freising zu schreiben, damals ab, weil er vor der 
Schwierigkeit der Aufgabe zurückschreckte, hauptsächlich aber, weil 
er, um mit seinen eigenen Worten zu reden, „das seit langer Zeit 
durchschaute Naturell einiger Freisinger Genies scheute". Diese my- 
steriös klingenden Worte Meichelbecks vermag ich kaum anders zu 
deuten, als dass in den Freisinger Kreisen, die sich um eine solche 
Angelegenheit kümmerten, die Uebertragung dieser Aufgabe an Meichel- 
beck unangenehm empfunden wurde. '^'^) Es war in der That für Frei- 
sing bitter, dass sich 1709 niemand in seinen Mauern und im ganzen 
Bisthume befand, welcher der Aufgabe gewachsen war, bei einem so 
ausserordentlichen Anlasse eine Bisthumsgeschichte zu verfassen, dass 
man diese Aufgabe einem Mönche von Benediktbeuern, einem An- 
gehörigen der Diöcese Augsburg, also gewissermassen einem Fremden 
anzubieten veranlasst war; konnte doch gerade Freising auf so her- 
vorragende historiographische Leistungen in früherer Zeit mit berech- 
tigtem Stolze zurückblicken. 

Freisings Bischof Arbeo (764 — 84) war ja der Mann, der in 
Bayern überhaupt zuerst Geschichte geschrieben hat. In Freising hat 
im 9. Jahrhundert Cozroh die Urkunden des Hochstiftes in einem 
Kopialbuch gesammelt und damit eine unschätzbare Quelle für Bayerns 
Geschichte in der Agilolfinger- und Karolingerzeit geschaffen. In Frei- 
sing gewann die mittelalterliche Geschichtsschreibung Deutschlands im 
12. Jahrhundert überhaupt ihren Höhepunkt in den grossen Werken 
des Bischofs Otto I. und seines Fortsetzers Rahewin. Freising besass 



15 

im 14. Jahrhundert einen der bedeutendsten Geschichtsschreiber seiner 
Zeit in seinem Bischöfe Albert Graf von Hohenberg. Im 15. Jahr- 
hundert beschäftigte sich in anerkennenswerther Weise Veit Arnpeck, 
Pfarrer zu St. Andreas in Freising, mit der Geschichte des Freisinger 
Bisthums. Im 16. Jahrhundert endlich machte der Freisinger Dom- 
herr Freyberger seine Arbeiten über die Geschichte seines Hochstifts 
sogar durch den Druck allgemein bekannt. Wenn angesichts einer 
solchen historiographischen Vergangenheit 1709 in Freising gegen 
die Berufung eines Nichtdiöcesanen zum Geschichtsschreiber des Bis- 
thums sich einige Abneigung gezeigt haben sollte, so wäre das bei- 
nahe verzeihlich. 

Auch in den folgenden Jahren kam Meichelbeck noch immer nicht 
dazu, ein Geschichtswerk (wenn wir von den Annalen der bayerischen 
Benediktinercongregation absehen), zu schreiben. Gerade diese Con- 
gregation selbst hat ihm 1709 einen Auftrag ertheilt, dessen Erfüllung 
von der Pflege der Geschichtswissenschaft weit, weit abliegt. 

Der Abt Senser von Weltenburg hatte den Orden des hl. Bene- 
diktus verlassen und war Carmeliter geworden, fühlte sich aber auch 
als solcher nicht glücklich, trat zum Protestantismus über und suchte 
diesen Schritt 1707 in einer dem Stile jener Zeit entsprechend derben 
Schrift „Labyrinthum Romanopontificium" zu rechtfertigen. Gegen 
diese Schrift aufzutreten glaubte sich die bayerische Benediktinercon- 
gregation verpflichtet, weil Senser ehedem zu ihr gehört hatte. Sie 
beauftragte desshalb Meichelbeck, Senser zu widerlegen.^*) So kam 
Meichelbeck dazu, 1709 gegen Senser eine Brochüre zu veröffentlichen, 
die nur zu sehr in dem bekannten Tone der Controverspredigten 
jener Zeit gehalten ist.^^) 

In den folgenden Jahren wurde Meichelbecks Kraft fast über Ge- 
bühr von seinem Kloster, der bayerischen Benediktinercongregation, 
und vom Fürstabte zu Kempten zur Erledigung von Rechtsstreitig- 
keiten und ökonomischen Geschäften aller Art in Anspruch genommen. 

Selbst nach Rom führte ihn im Herbste 1712 ein dort anhängiger 
Rechtsstreit seines Klosters mit den Hieronymitanern , die auf dem 



16 

Gebiete desselben am Walchensee gegen dessen Willen eine Nieder- 
lassung gegründet hatten. Durch seine Sachkenntniss und sein kluges 
Vorgehen bewirkte Meichelbeck in der That, dass dieser verwickelte 
Streit 1713 in Rom zu Gunsten seines Klosters entschieden wurde.^*') 
Im folgenden Jahre schrieb er darüber eine sehr eingehende Geschichte 
unter dem Titel „Histori des Eremitorii oder Claussnerey am Wallen- 
see", in deutscher Sprache. ^^) 

So giengen die besten Jahre Meichelbecks, wenn wir wieder von 
seiner Fortführung der Congregationsannalen absehen, ohne wirkliche 
historiographische Thätigkeit vorüber. Doch muss auch in diesen 
Jahren derselbe nebenbei das Studium der bayerischen Geschichte 
betrieben haben, denn sonst hätte ihm Bernard Pez, der seit 1715 
mit ihm regen Briefwechsel unterhielt und ihn 1717 persönlich kennen 
lernte, nicht öffentlich das hohe Lob gespendet, er sei der unterrichtetste 
und beste Kenner der Geschichte, insbesondere der bayerischen, den 
er in Bayern selbst gefunden habe.^^) 

Wie sehr Bernard Pez Meichelbeck wegen seiner Geschichtskennt- 
niss schätzte, bewies er 1720, indem er im Sommer dieses Jahres den 
Fürstabt von Fulda, der eine Geschichte seines Klosters in grossem 
Stile plante, bestimmte, Meichelbeck zur Uebernahme dieser Auf- 
gabe einzuladen,^^) allerdings ohne Erfolg, denn Meichelbeck lehnte 
sogar gegen den Willen seines eigenen Abtes diesen ehrenvollen An- 
trag ab.^O) 

Ebenso wies er das seit 1709 wiederholte Ansinnen des Bischofs 
von Freising, '^^) die Geschichte seines Bisthums zu schreiben, inniier 
wieder ab.'^^) Erst im Märze 1722 Hess er sich endlich dazu bestimmen 
und übersiedelte zur Ausführung dieser Aufgabe nach Freising.^"^) 

Was Meichelbeck 1709 befürchtet hatte, trat jetzt in der That 
ein. Sein Unternehmen fand in Freising nicht allgemeinen Beifall: 
insbesondere das dortige Domkapitel kam über die Furcht, die Heraus- 
gabe einer Geschichte des Bisthums werde diesem schaden, nicht hin- 
weg. Der Fürstbischof aber liess sich weder durch die Bedenken 
seiner Domherrn,^*) noch durch die Verdächtigung Meichelbecks von 



17 

Seiten der Stiftsherrn zu St. Andreas in Freising in seinem Vertrauen 
zu demselben erschüttern.*^) 

Bereits im Märze 1724 vollendete Meichelbeck mit Hilfe seines 
Mitconventualen Leonhard Hohenauer, der eigens nach Freising berufen 
wurde, um für dieses Werk die Urkundenabschriften und das Register 
zu fertigen,*^) den ersten Band der Historia Frisingensis, der bis 1224 
herabreicht. 

Schon äusserlich betrachtet ist die Vollendung eines so umfäng- 
lichen Werkes — zählen doch allein Einleitung und darstellender Text 
desselben im Drucke zusammen 440 Folioseiten — in so kurzer Zeit 
eine staunenswerthe Leistung ; dieselbe erscheint aber noch grossartiger, 
sowie wir in Betracht ziehen, dass Meichelbeck nicht ununterbrochen 
während der beiden Jahre 1722 und 1723 bei seiner Arbeit bleiben 
konnte, sondern wiederholt durch Unwohlsein und anderweitige Ge- 
schäfte, namentlich für den Fürstabt von Kempten, von derselben 
ferne gehalten worden ist. Dass Meichelbeck trotzdem das Werk in 
so kurzer Zeit vollendet hat, wird nur dadurch erklärlich, dass ihm 
bei seinen gründlichen Kenntnissen der bayerischen Geschichte schon 
im Beginne der Arbeit sein Stoff nicht fremd war.*'^) 

Geschrieben wurde die Historia Frisingensis, die sich an den ge- 
sammten „eruditus orbis" wandte, in lateinischer Sprache.'*'^) Fürst- 
bischof Johann Franz aber w^ünschte, dass ihr Inhalt auch unter seinen 
dieser Sprache nicht mächtigen Diöcesanen bekannt werde. Er befahl 
daher Meichelbeck unmittelbar nach der Vollendung des ersten Bandes 
der Historia Frisingensis, eine gekürzte Geschichte seines Bisthums in 
deutscher gemeinverständlicher Sprache, und zwar im Gegensatz zur 
Historia, die wie gesagt nur bis 1224 geht, bis zum Jubelfeste selbst 
zu erzählen. Auch diese Aufgabe löste Meichelbeck in unglaublich 
kurzer Frist.*^) Das neue Werk erhielt den Titel: „Kurze Freysingische 
Chronika oder Historia." 

Während dasselbe und der erste Band der Historia Frisingensis 
gedruckt wurden, hatte Meichelbeck für die Jubiläumsfeier*^) selbst 
Vorbereitungen zu treffen. Ihm übertrug der Fürstbischof die Aus- 



18 

wähl der Festprediger und der Themata zu deren Predigten. Er 
hatte zu bestimmen, welche Scenen aus dem Leben des ersten Bischofs 
Corbinian von Freising von den Gebrüdern Asam in dem zur Fest- 
feier zeitgemäss umgebauten Dome gemalt werden sollten, und die 
Inschriften zu diesen Gemälden zu verfassen. ^^) 

Auch als die Festfeier vorüber war, kam Meichelbeck noch nicht 
zur Ruhe. Jetzt hatte er über diese Feier im Auftrage des Fürst- 
bischofs einen eingehenden Bericht, der 1725 unter dem Titel: 
„Das dankbare Freising" erschienen ist, in deutscher Sprache zu ver- 
fassen.^^) 

So kam es, dass Meichelbeck erst im Mai 1725 an die Aus- 
arbeitung des zweiten Bandes der Historia Frisingensis gehen konnte. ^2) 
Er vollendete auch diesen Band mit Hilfe seines getreuen Leonhard 
Hohenauer wiederum in überraschend kurzer Zeit; schon im Juni 1727, 
vier Monate nach dem Hinscheiden des Fürstbischofs Johann Franz, 
der noch kurz vor seinem Tode für die Vollendung des von ihm ins 
Leben gerufenen Geschichtswerkes grosses Interesse bezeugt hatte, war 
der Band druckfertig, im Drucke erschienen aber ist derselbe erst 
1729, und zwar, wie auf ihrem Titel selbst angekündigt wird, auf 
Kosten des Klosters Benediktbeuern.^^) 

1727 kehrte Meichelbeck aus Freising nach fünfjähriger Abwesen- 
heit in sein Kloster zurück, um demselben, das er fortan nicht mehr 
verlassen hat, all sein Können zu widmen. 

Nach seiner Berechnung sollte Benediktbeuern 1733 das tausend- 
jährige Jubiläum seiner Grundsteinlegung oder 1740 das der Vollen- 
dung des Klosterbaues feiern. Zu diesem Feste wollte auch er seinen 
redlichen Antheil beisteuern und schrieb desshalb von 1727 — 1729 
genau nach dem Muster der Historia Frisingensis in lateinischer Sprache 
die Geschichte seines Klosters unter dem Titel „Chronicon Benedicto- 
buranum."^*) 

Kaum hatte er dieses umfängliche Werk vollendet, so verfasste er 
innerhalb eines Jahres ein vierbändiges überaus gründliches Repertorium 
des Benediktbeurer Klosterarchivs, das von den Archivaren mehrerer 



19 

bayerischen Benediktinerklöster alsbald studiert wurde, das aber auch 
heute noch für Archivare des belehrenden gar viel darbietet.^^) 

Gegen Erwartung sollte ihm sein Chronicon Benedictoburanura 
eine Quelle voll Bitterkeit werden. Als dasselbe nach Klostersitte dem 
Convente von Benediktbeuern vorgelesen wurde, fand es vollen Bei- 
fall; sowie jedoch die Frage seiner Drucklegung aufgeworfen wurde, 
fand die Mehrheit des Conventes diese hochbedenklich,^^) weil die- 
selbe einen Theil der Meichelbeck'schen Angaben, insbesondere die 
Veröffentlichung der vielen Urkunden, die Meichelbeck dem Chronicon 
als Belege für seine Ausführungen beigeben wollte, aus verschiedenen 
Gründen für gefährlich erachtete. Umsonst suchte Meichelbeck die 
Bedenken seiner Mitbrüder zu entkräften.^ '^) Er erzielte nur einen 
Achtungserfolg, indem der Benediktbeurer Convent die Veröffentlichung 
des Chronikons zwar nicht gänzlich verwarf, jedoch zu Ende Juli 1731 
beschloss, dessen Drucklegung auf eine gelegenere Zeit zu verschieben.^^) 

Meichelbeck liess trotzdem den Muth nicht sinken, ja er arbeitete 
letzt sogar auch eine deutsche Uebersetzung des lateinischen Chronicon 
Benedictoburanum aus. Er wollte also zum tausendjährigen Jubelfeste 
seines Klosters genau nach dem Vorbilde seiner Freisinger Geschichte 
neben dem wissenschaftlichen Hauptwerke in lateinischer Sprache auch 
eine für das Volk bestimmte deutsche Ausgabe desselben veröffentlichen.^^) 

Nach Vollendung dieser deutschen Ausgabe suchte er die sofortige 
Veröffentlichung seines Chronicon's dadurch zu erwirken, dass er diese 
Angelegenheit im Auguste 1733 der bayerischen Benediktinercongre- 
gation unterbreitete; er hat bei dieser in der That auch einen günstigen 
Beschluss erzielt. ^^) 

Obwohl in Folge dessen sein Kloster mit dem Regensburger Buch- 
drucker Gastl im Herbste 1733 einen Vertrag über die Herausgabe 
des Chronicon Benedictoburanum abschloss, so wurde dessen Druck 
doch immer wieder hinausgeschoben. Meichelbeck ist denn auch, 
ohne denselben erlebt zu haben, am 2. April 1734 in Folge vor Ueber- 
arbeitung, der seine von Natur aus nicht grosse Körperkraft nicht 
gewachsen war, gestorben. Erst 17 Jahre nach seinem Tode hat sein 



20 

getreuer Schüler Leonhard Hohenauer, als er zum Abte von Benedikt- 
beuern gewählt worden war, das Lieblingswerk seines Meisters durch 
Meichelbecks Nachfolger im Klosterarchivariate Alfons Haidenfeld ver- 
öffentlichen lassen.^ ^) 

Dieselben Grundsätze, die wir heute auf historiographischem Ge- 
biete anwenden, hat auch Meichelbeck bei seinen Geschichtswerken 
befolgt. Seine kritische Behandlung des Stoffes ist ihrem Wesen nach 
auch die unsrige, aber graduell ist doch zwischen Meichelbecks Weise 
und der unserer Zeit ein Unterschied. Es liegen eben zwischen ihm 
und uns mehr denn 160 Jahre, in denen sich die deutsche Geschichts- 
forschung grossartig entwickelt hat. Uns stehen die Errungenschaften 
dieser langen Entwicklung zu Gebote, wir handhaben, wie es gar nicht 
anders sein könnte, die kritische Methode. Meichelbeck aber lebte in der 
Zeit, als dieselbe in deutschen Landen sich erst einbürgerte. Er musste 
ringen, um ihren Anforderungen zu genügen, ihm standen nicht wie 
uns eine Menge trefflicher Vorbilder zur Verfügung. Als er 1722 die 
Ausarbeitung die Historia Frisingensis begann, waren insbesondere die 
darstellenden Werke von Leibnitz und Eccard, an denen wir die Ge- 
schichtsforschung dieser Zeit zu bemessen gewohnt sind (Annales im- 

perii occidentis und Origines Guelficae), überhaupt noch nicht ver- 
öffentlicht. ^ 2) 

Diese Thatsache dürfen wir nie ausser Augen lassen, wenn wir 
Meichelbecks Geschichtsschreibung gerecht werden wollen. Meichel- 
beck hat geleistet, was man von ihm zu seiner Zeit gerechter Weise 
verlangen konnte. Er hat einmal die gesammte deutsche und ausser- 
deutsche Geschichtsliteratur, die für die Geschichte des Bisthums Frei- 
sing irgend etwas beisteuern konnte, beigezogen. 

Er begnügt sich aber nicht mit dieser gedruckten Literatur, 
sondern strebt unmittelbar aus den ersten Quellen selbst zu schöpfen. 
Das war 1722 nicht so bequem zu bewerkstelligen, wie in unsern 
Tagen. Wohl gab es schon damals eine nicht unbedeutende Reihe 
von Quellensammlungen, sie alle jedoch sind auffallend arm an baye- 
rischen Geschichtsquellen und enthalten desshalb wenig Stoff, der für 



21 

die Historia Frisingensis in Betracht kommen konnte. Insbesondere 
schlimm stand es 1722 mit gedruckten bayerischen Urkunden; für 
Meichelbeck verwendbare bot ihm in grösserer Anzahl fast nur die 
gewoldische Ausgabe von Hundt's Metropolis Salisburgensis. 

Meichelbeck war also genöthigt unmittelbar aus den zu seiner 
Zeit noch über das ganze Land zerstreuten Bibliotheken und Archiven 
für seine Geschichte Quellenmaterial herbeizuschaffen. Bei der über- 
aus grossen Aengstlichkeit aber, mit der man damals allgemein hand- 
schriftUche Quellen, namentlich Urkunden unter Verschluss hielt, konnte 
Meichelbeck an eine Benützung alles für seine Aufgabe vorhandenen 
Quellenmaterials gar nicht denken. Er musste sich begnügen, hand- 
schriftliche und urkundliche Quellen in den Bibliotheken und Archiven 
zu gewinnen, die dem Einflüsse seines fürstbischöflichen Auftraggebers 
oder der bayerischen Benediktinercongregation zugänglich waren oder 
die sich ihm in Folge persönlicher Beziehungen öffneten.^^) 

Von ihm, dem eifrigen Archivare und Nacheiferer Mabillons ver- 
steht es sich von selbst, dass er unter seinen Quellen den Urkunden 
den Vorzug einräumt. Wo immer er kann, beruft er sich auf Ur- 
kunden; die Historia Frisingensis und das Chronicon Benedictobura- 
num sind auf urkundlicher Grundlage aufgebaut. 

Meichelbeck hält auch an der zu seiner Zeit üblichen Sitte fest, 
in den Text selbst Urkunden, und zwar in ausgedehntem Masse, wört- 
lich aufzunehmen. Er gibt aber ausserdem seinen beiden Werken 
eigene „partes instrumentariae " bei, in denen er Hunderte von bis 
dahin unbekannten Urkunden als Belege für seine Geschichtsdarstel- 
lung im Wortlaute oder in Auszügen veröffentlicht. Insbesondere hat 
er das unschätzbare Freisinger Traditionsbuch Kozroh's aus dem 9. Jahr- 
hundert im ersten Bande der Historia Frisingensis fast ganz mitgetheilt 
und damit seinen Zeitgenossen den unmittelbaren Einblick in das baju- 
warische Leben des 8. und 9. Jahrhunderts erschlossen. Diese That 
allein schon sichert ihm einen Ehrenplatz unter den deutschen Ge- 
schichtsforschern seiner Zeit.^*) 

Gewiss sind die Urkundentexte in Meichelbecks Werken nicht den 



22 

Anforderungen entsprechend, die wir heute an solche Editionen stellen, 
aber wir dürfen, um nicht ungerecht zu urtheilen, nie vergessen, dass 
Meichelbeck nicht, wie wir, ein auf vielfache Versuche gegründetes 
System, wie mittelalterliche Urkunden zu edieren seien, vor sich hatte.^^) 

Meichelbeck ist vom Werthe der Urkunden für die Geschichts- 
forschung ganz erfüllt. Urkunden zu veröffentlichen hält er für die 
Aufgabe ihrer Besitzer, sie seien, sagt er, nicht für die Motten und 
Schaben geschrieben. Immer wieder kommt er auf diesen Gedanken 
zurück, immer wieder sucht er neue Gründe für die Herausgabe der 
Urkunden aufzufinden und die Vorurtheile gegen deren Edition zu 
widerlegen.^*") 

Meichelbeck hat stets nach seinem öffentlich verkündeten Grund- 
satze gehandelt: „Es erfordert die eigentliche Natur der Historie oder 
Chronik, dass man die blosse Wahrheit aufrichtig vortrage. "^'^) Nie- 
mand wird ihn der Sünde, auch nur einmal die erkannte geschichtliche 
Wahrheit verläugnet zu haben, mit Grund beschuldigen können. Als 
er sich beim Beginne seiner Arbeit an Bayerns Klöster um Mittheilung 
von Quellen wandte, hat er dieselben im Einverständniss mit seinem 
fürstlichen Auftraggeber geradezu gebeten, nicht etwa solche Quellen, 
welche von minder guten Thaten einiger Freisinger Bischöfe handelten, 
zurückzuhalten.*^^) Demgemäss hat er auch über Vorgänge, die ihm 
nicht preiswürdig erschienen, ohne Scheu Bericht erstattet. ^^) Dabei 
ist er jedoch stets bestrebt, die den Trägern der Autorität gebührende 
Achtung nicht zu verletzen. 

Meichelbeck übt an seinen Quellen Kritik. Bei Angaben der 
Quellen, die sich widersprechen, zieht er jeweils die Ansichten der 
altern Geschichtsschreiber zu Rathe und entscheidet erst nach sorg- 
fältigem Abwägen der Gründe und Gegengründe. Hat er seine Ansicht 
gegen fremde Meinungen zu vertheidigen, so weiss er in seinen ge- 
schichtlichen Werken recht wohl zwischen dem Irrthum und seinem 
Träger zu unterscheiden.'^^) In einer einmal gewonnenen wissenschaft- 
lichen Ueberzeugung Hess er sich nicht irre machen. So konnte ihn 
von seiner seit 1706 feststehenden Ansicht, dass der hl. Rupert nicht 



23 

im 6., sondern erst im 8. Jahrhundert in Bayern gewirkt habe, selbst 
Bernard Pez nicht abwendig machen, obwohl dadurch ihre Freund- 
schaft zu seinem Schmerze getrübt wurde. '''^) 

Volles Lob verdient die Anlage seiner Werke. Meichelbeck geht 
medias in res. Wir werden von ihm nicht mit der Wiederholung der 
alten Fabel von der Abstammung der urdeutschen Baiuwaren von den 
keltischen Boiern belästigt; für ihn beginnt die Geschichte des Bis- 
thums Freising mit dessen ersten Bischof Corbinian. Er will ledig- 
lich eine Geschichte dieses Bisthums schreiben, er berichtet desshalb 
nichts von der Topographie desselben, obwohl seine Zeit, wie wir 
gehört haben, gerade dafür besonderes Interesse hatte. ^^) Dagegen 
weiss er recht wohl, dass seine Aufgabe nicht ohne stetige Rücksicht- 
nahme auf die Geschichte des Bayernlandes, von dem die Diöcese 
Freising einen so grossen und wichtigen Theil umfasst, ja der des 
deutschen Reiches gelöst werden könne; den Hintergrund seiner Bis- 
thumsgeschichte bilden daher die bayerische, die deutsche Geschichte.'^*) 

Längere Untersuchungen, die den Fluss seiner Erzählung gehemmt 
hätten, behandelte er nach der Sitte seiner Zeit in besondern „Disser- 
tationes". Auf uns wirken auch die von Meichelbeck in so grosser 
Zahl in den Text aufgenommenen Urkunden, weil sie ebenfalls den 
Fluss der Erzählung unterbrechen, störend, seine Zeitgenossen aber, 
die das gar nicht anders gewohnt waren, haben diese Einschaltung 
von Quellen in den Text nicht als einen Fehler betrachtet.''^) 

Dagegen ist nicht zu läugnen, dass Meichelbeck gegen die äusseren 
Thaten der Freisinger Bischöfe und Benediktbeurer Aebte und gegen 
die Gütergeschichte ihrer Gotteshäuser die Entwicklung der kirchlichen 
Einrichtungen und Disciplin zu sehr in den Hintergrund treten lässt.^^) 

Anderseits macht er aber auch auf Dinge, die zu seiner Zeit 
sonst wenig Beachtung gefunden haben, aufmerksam. So hebt er, 
um nur weniges der Art namhaft zu machen, die eigenartige Eigen- 
thumsübertragung der altbaiuwarischen Zeit hervor, so bemerkt er, 
dass die älteste erhaltene deutsche Urkunde des Freisinger bischöf- 
lichen Archives 1278 geschrieben worden ist, so erwähnt er, dass 



24 

die Silbereinfuhr aus dem neu entdeckten Erdtheile Amerika in Eu- 
ropa das verderbliche Sinken des Geldwertlies im 16. Jahrhundert 
verschuldet habe. 

Auch für die Kunst hat Meichelbeck ausgesprochenes Interesse, seine 
Werke enthalten desshalb eine Menge kunstgeschichtlicher Angaben. '^'^) 

Meichelbeck kennt des weitern den Werth der Siegel und über- 
ragt nach dieser Seite hin selbst manche unserer Zeitgenossen, die 
noch immer nicht gestehen wollen, welche Bedeutung den Siegeln 
für die Genealogie und Heraldik und nicht am wenigsten für die 
Kenntniss der Kleinkunst und der Kulturgeschichte überhaupt im 
spätem Mittelalter und in der Renaissancezeit zukomme. ^^) 

Ein Vorzug Meichelbecks liegt endlich in seiner Sprache. Seine 
Hauptwerke sind lateinisch geschrieben. Sein Latein aber zeichnet 
sich durch Einfachheit und Klarheit aus und wird von den Zeit- 
genossen sogar wegen seiner Eleganz gerühmt. ^^) Nur in den schwul- 
stigen Titeln und Widmungen zeigt sich auch Meichelbeck als echten 
Zeitgenossen der Allongeperüke. 

Seine Sprache in den deutschen Schriften dagegen steht hinter 
seinem Latein zurück. Zwar ist auch Meichelbecks Deutsch immer 
klar, aber es leidet an Bavarismen und sonderbaren Ausdrücken. 
Immerhin steht dasselbe unläugbar hoch über der ungefügen Sprache, 
welche im Parnassus Boicus sich breit macht. 

Meichelbecks Historia Frisingensis hat durch ihre Methode, ihre 
Darstellung, ihre Sprache und die Fülle ihres Inhaltes alle landes- 
geschichtlichen Werke, die vor ihr in Süddeutschland erschienen sind, 
übertroffen. Es gab da 1724 kein Werk, das ihr ebenbürtig gewesen 
wäre. In diesem Lichte erschien Meichelbecks Hauptwerk schon seinen 
Zeitgenossen. Wo immer man die Historia Frisingensis kennen lernte, 
war man über sie voll Lobes.^^) Selbst die Männer, die gleichzeitig 
mit Meichelbeck an gleichen Arbeiten thätig waren und denen er 
mit der Ausgabe seines Werkes zuvorgekommen war, Hansitz, Falken- 
stein, Eccard und Schannat, schlössen sich der allgemeinen Anerken- 
nung der Meichelbeckischen Historia an.^^) 



25 

Ja Hansitz, der im Auftrage des Kaisers Karl VI. an einer Ger- 
mania Sacra arbeitete, erklärte Meichelbecks Hauptwerk nicht nur für 
ein opus tum eruditione, tum quodam veluti thesauro instrumentorum 
insigne,^^) sondern verkündete auch offen, vom zweiten Bande seiner 
eigenen Arbeit an dasselbe nachahmen zu wollen. In der That ver- 
räth dieser Band Meichelbeckschen Einfluss, namentlich dadurch, dass 
er viel mehr denn der erste auf Urkunden sich stützt. Hansitz gieng 
jedoch in seiner Anerkennung der Meisterschaft Meichelbecks noch 
weiter: er liess ihm unmittelbar aus der Druckerei jeweils die Bögen 
des zweiten Bandes der Germania sacra zur Durchsicht zusenden und 
unterwarf sich willig seinen Abänderungen.^"^) 

Auf den berühmten Abt Bessel von Göttweih machte die Historia 
Frisingensis einen solchen Eindruck, dass er ihren Verfasser als kaiser- 
lichen Historiographen für Oesterreich gewinnen wollte. Desshalb lud 
er Meichelbeck wiederholt nach Wien ein, um ihn dem Kaiser vor- 
zustellen, aber derselbe lehnte diese verlockende Einladung ab und 
blieb in Bayern.^^) 

Auch in diesem Lande, und nicht am wenigsten in Freising, wo 
Meichelbeck doch anfangs so grossen Widerstand gefunden hatte,^^) 
war man voll Lobes über seine Geschichte, ja man verfiel hier in 
Uebertreibungen. In Bayern pries man Meichelbecks scribendi gravitas 
ac profunda historiae aliarumque scientiarum peritia, hier nannte man 
seine Freisinger Geschichte amplissimae eruditionis opus, hier rühmte 
man dieselbe als opus prorsus incomparabile et inimitabile, hier be- 
titelte man Meichelbeck neben Aventin (und Gewold) „Vater der 
bayerischen Geschichte," hier war er autor per Historiam Frisingensem 
orbi literato commendatissimus.^^) Sichtlich ist man in Bayern mit 
Stolz erfüllt, einen solchen Geschichtsschreiber den seinigen nennen 
zu können. 

Man sollte desshalb erwarten, dass in Bayern alsbald nach Meichel- 
becks Vorbilde die bayerische Landes- und Lokalgeschichte neuen Auf- 
schwung genommen hätte. Dem war aber nicht so. Wohl holte man 
in den bayerischen Klöstern Niederaltaich, Beuerberg, Fölling, Wesso- 



26 

brunn wegen Bearbeitung der Klostergeschichte seinen Rath ein, aber 
zur Herausgabe von Geschichten, die unter Meichelbecks Einüuss be- 
arbeitet wären, ist es doch nur 1753 in Wessobrunn und 1760 in 
Fölling gekommen.^^) Auch diese beiden Werke kommen indessen 
Meichelbecks Anforderungen nicht genau nach, denn sie wagen nicht, 
nach dessen Muster die Urkunden ihrer Gotteshäuser zu veröffentlichen. 

Diese Thatsache, dass Meichelbeck in Bayern einerseits wegen 
seiner Geschichtsschreibung überaus gepriesen wurde, anderseits aber 
so wenig Nachahmung fand, ist nicht schwer zu erklären. 

Dem Geschichtsschreiber des Fürstbischofs von Freising hatten 
sich Archive und Bibliotheken, die ihm ohne seinen fürstlichen Auf- 
traggeber sicherlich verschlossen geblieben wären, ohne Zögern ge- 
öffnet. Dass man aber trotzdem zu Meichelbecks Zeit, seine Art, 
den Hauptinhalt ganzer Archive zu veröffentlichen, mit Bedenken 
betrachtete, hat er selbst in seinem eigenen Kloster von Seiten des 
Conventes schmerzlich erfahren müssen. Wenn aber sogar ihm, dem 
berühmten Geschichtsschreiber, solches widerfuhr, so durften jüngere 
Zeitgenossen gar nicht daran denken, in seiner Weise Geschichte zu 
schreiben. Ihnen blieben die Urkundenschätze verschlossen, es fehlte 
ihnen also überhaupt an Quellen, um Meichelbecks Werke nachbilden 
zu können. 

Um dies zu ermöglichen, hatte man vor allem die bayerischen 
Geschichtsquellen zu erschliessen. Dies unter schwierigen Verhält- 
nissen in grossem Masse gethan zu haben, bleibt der dauernde 
Ruhm des Herausgebers der Scriptores rerum Boicarum Andreas Felix 
von Oefele. Derselbe hat auch in Meichelbecks Sinne erkannt, dass 
man sich nicht auf die Veröffentlichung von Chroniken und Annalen 
beschränken dürfe, und hat desshalb in seinem Sammelwerke auch 
Urkunden ediert. 

Um jedoch Bayerns Archive selbst zur Veröffentlichung ihres 
geschichtswissenschaftlichen Inhalts zu bringen, um das Hindernisse 
das sich dieser That entgegenstemmte, nämlich die übergrosse Angst 
-vor dadurch entstehenden Gefahren zu beseitigen,^^ reichte im 1 8. Jahr- 



27 

hundert die Kraft eines einzelnen Mannes nicht hin, dies vermochte 
nur eine mit staatlicher Autorität ausgestattete Gesellschaft. Diese 
Gesellschaft entstand in Bayern aber erst 25 Jahre nach Meichel- 
becks Tode 1759 in unserer Akademie der Wissenschaften, deren 
138. Stiftungstag wir heute feiern. 

Unsere Akademie hat sich von Anfang an die Aufgabe gestellt, 
zur Pflege der bayerischen Landesgeschichte nach und nach die 
geschichtlich werthvollen Urkunden und Traditionsbücher der baye- 
rischen Archive zu veröffentlichen^^) und dazu sich ein eigenes Organ 
in den Monumenta Boica geschaffen. 

Wie befruchtend unsere Akademie dadurch auf die Entwicklung 
der Geschichtswissenschaft in Bayern gewirkt hat, brauche ich an 
dieser Stelle des nähern nicht zu erörtern. Es dürfte genügen, darauf 
hinzuweisen, dass seitdem die Geschichtsforschung in Bayern nicht 
nur wie bisher allein in den Klöstern eine Heimstätte gefunden, son- 
dern endlich auch in weitern Kreisen des Landes Wurzel gefasst und 
eben desshalb den völligen Umsturz der alten Verhältnisse zu Anfang 
des 19. Jahrhunderts glücklich überwunden hat. 

Welche Entwicklung die Geschichtswissenschaft in Bayern aber 
während des 19. Jahrhunderts gewonnen hat, ist allbekannt. Die baye- 
rische Historiographie steht heute in Deutschland mit in der Vorder- 
reihe. Bleibenden Dank schuldet für diese Auszeichnung Bayerns Volk 
seinen Königen Ludwig L, Maximilian und Ludwig U., die in gross- 
artigster Weise die Geschichtswissenschaft gefördert haben, und ebenso 
unserm erhabenen Protektor Prinz Luitpold, des Königreiches Bayern 
Verweser, der unserer Wissenschaft seine landesväterliche Huld für 
und für zuwendet. Kaum wird ein deutsches Land zu nennen sein, in 
dem die Liebe zur vaterländischen Geschichte so weite Kreise beseelt 
wie in Bayern. Dafür zu sorgen, dass dies also bleibe, ist nament- 
lich auch eine Aufgabe der so thätigen und verdienten historischen 
Vereine unseres Landes. 

Wie würde Meichelbeck, wenn er zurückkehrte, über die Fülle 
der in unserm Zeitalter in Bayern veröffentlichen Urkunden und 



28 

Geschichtsquellen aller Art staunen! So gross aber der Umfang der 
bayerischen Quellenedition jetzt ist, so gross ist auch die Ernte, 
welche in Bayerns Archiven für die Geschichtswissenschaft noch zu 
gewinnen ist. 

Insbesondere fehlt noch immer eine den heutigen Ansprüchen 
an eine Quellenedition voll genügende Ausgabe der Lieblingsquelle 
Meichelbecks, des Freisinger Traditionsbuchs Kozroh's. Eine solche 
Ausgabe würde das Andenken Meichelbecks, der Kozroh's unschätz- 
bare Sammlung den Geschichtsforschern zuerst bekannt gegeben hat, 
erneuern und zugleich einen langjährigen Wunsch der deutschen Ge- 
schichte und Rechtsgeschichte, der Germanistik und historischen Geo- 
graphie erfüllen. Möge desshalb unsere Akademie, die in Meichelbecks 
Sinne seit ihrer Stiftungszeit eine solche Menge von Urkunden ver- 
öffentlicht hat, auch eine Neuausgabe Kozroh's und der verwandten 
Traditionen Bayerns aus agilolfingischer, karolingischer und ottonischer 
Zeit in geneigte Erwägung ziehen! 



29 



Anmerkungen. 



1) Friedrich, Ueber die Geschichtsschreibung unter dem Kurfürsten Maxi- 
milian I. 1872. — Von Hormayr, Ueber die Monunienta Boica. 1830. — Von 
Koch-Sternfeld, Beiträge über die Geschichte, ihre Attribute und ihren Zweck 
als über eine der fürwährenden Aufgaben der bayr. Akademie der V^'^issenschaften 
vom Jahre 1759 bis zur Gegenwart. 1841. — Vgl. Rudhart, Erinnerungen an 
Johann Georg von Lori. 1859. — Von Rockinger, Die Pflege der Geschichte 
durch die Witteisbacher. 1880. — Von Rockinger, Ueber ältere Arbeiten zur 
bair. und pfälz. Geschichte (Abb. XIV und XV). 

2) Friedrich a, a. 0. — Auch der italienische Vielschreiber Pallatius hat 
dem Kurfürsten Ferdinand Maria das 15. und 28. Buch seiner Monarchia Occi- 
dentalis, die er Aquila Sancta sive Bavarica and|Aquila Vaga betitelte, 1674 
und 1680 gewidmet. 

3) Heigel, Histor. Vorträge und Studien, 3. Folge, S. 105. 

4) Eine solche Neuausgabe erschien 1680 unter dem Titel Theatrum 
gloriae et virtutis Boicae zu München, eine deutsche unter dem Titel Schauplatz 
bayr. Helden 1681 zu Nürnberg. 

5) Ueber das erst unter Karl Albert vollendete Werk „Vita et gesta 
Maximiliani Emanuelis electoris Bavariae" von, F. X. J. von Wilhelm s. Rockinger, 
Abh. XIV, 94 — 95. Dieses Werk blieb Manuscript und hatte deshalb keinerlei 
Einfluss auf die Pflege der bayr. Historiographie des 18. Jahrhunderts. 

6) Wie die Landesgeschichte — von einer Pflege der Reichsgeschichte 
kann bei den damaligen politischen Verhältnissen wie in Süddeutschland über- 
haupt, so auch in Bayern keine Rede sein — so hat auch die Lokalgeschichte 
in der Zeit zwischen 1650 und 1720 in Kurbayern kein Druckwerk zu ver- 
zeichnen, dem höherer historiographischer Werth zukäme. Die Laien und Welt- 
geistlichen hielten sich damals fast ausnahmslos in Kurbayern von derartigen 
Arbeiten ferne. Lediglich in den Klöstern und an den Hochstiftern des Landes 
erlosch auch in dieser Zeit die altüberlieferte Sitte nicht, ihre eigene Geschichte 
zu pflegen, freilich des öftern in gar kümmerlicher oder aber in dilettantenhaft 
breitspuriger Weise. Die meisten der also entstandenen Werke wurden zudem 



30 

überhaupt nicht für die Oeffentlichkeit verfasst, sondern waren lediglich für den 
engen Kreis der Angehörigen des betreffenden Gotteshauses, wenn nicht gar nur 
für dessen Vorstände und Archivare bestimmt. Sie haben nur insoferne historio- 
graphische Bedeutung, als sie die Pflege der Geschichte in den bayerischen 
Klöstern und Stiftern nicht ganz einschlummern Hessen, Auch die wenigen 
Klostergeschichten dieser Zeit, die zur Ausgabe gelangt si^d, verdienen wegen 
ihrer Kritiklosigkeit und ihrer Darstellung, die selbst bescheidene Wünsche nicht 
befriedigt, kaum namentliche Erwähnung. 

7) Blanc, Histoire de Baviere. 1680. 

8) Vgl. Rockinger, Abb. XIV, 92—94; XV, 261—67. 

9) Darüber vgl. besonders G. v. Bezold und B. Riehl, Die Kunstdenkmale 
des Königreichs Bayern I. 

10) Allein im Pflegeamte Dachau gab es noch 1671 nicht weniger denn 
56 Altäre, die seit der Schwedenzeit profaniert geblieben waren. (München, 
Allgemeines Reichsarchiv.) 

11) S. Oberbayr. Archiv 49, 312 — 13. Der dort ausgesprochenen Ansicht, 
dass ein treibendes Element der Bauthätigkeit dieser Zeit auch das Streben der 
katholischen Kirche gewesen sei, ihre durch den Protestantismus erschütterte 
Stellung zu befestigen, kann ich nicht beipflichten. Seit dem Schwedenkriege 
ist im ganzen katholischen Süddeutschland mit unbedeutenden Ausnahmen keinerlei 
Hinneigung zum Protestantismus mehr vorhanden. Eher könnte man sagen, 
dass die intensive Bauthätigkeit dieser Zeit ein Ausdruck des wieder erstarkten 
Katholicismus gewesen sei; aber auch diese Fassung des Gedankens wäre nicht 
voll berechtigt, denn die Bauthätigkeit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts be- 
schränkte sich nicht auf die katholischen Kirchen und auf die katholischen Landes- 
theile in Süddeutschland. — Mit Bayern hatte ganz Süddeutschland die Schrecken 
der letzten Jahre des Schwedenkrieges zu tragen gehabt. Deshalb zeigte sich 
auch in Süddeutschland, wenn auch vielleicht weniger intensiv, dieselbe bau- 
liche Thätigkeit nach 1655, wie in Bayern. Es gilt auch hier das Wort: „Gleiche 
Wirkungen, gleiche Ursachen." 

12) So im Vorwort der Topographia Bavariae. 

13) In diesem Sinne sagt Ertl 1687 im Vorberichte zum ersten Theile 
seines churbayr. Atlas: „Man wird nicht ein landschaff't, fürstenthum oder könig- 
reich finden, dessen geschieht und begebenheiten mit der zeugnuss so vieler hoch- 
berühmten federn seyen geadelt worden, als das weltbekannte churfürstentbum 
Bayern, also dass man nicht unbillich in einen zweiffel fallen möge, ob Bayern 
mehrers durch seine siegprangende waffen oder durch den glantz so vieler hoch- 
sinniger geschichtverfassern seye bis an die wolcken erhoben worden. Doch ist 
es schmertzlich zu betauren, dass bishero nicht ein einiger sich eingefunden. 



31 

welcher neben Bayerischen Jahrsbegebenheiten auch andere zu dem churfürsten- 
thum Bayern gehörige schöne anmerckungen abgebildet habe." Unter diesen 
„Anmerkungen" aber versteht Ertl, wie er des weitern ausführt, nichts anderes 
als Abbildungen und historisch-topographische Beschreibungen der bayerischen 
Orte und Klöster. - Vgl. auch Rudhart, Erinnerungen an Johann Georg von 
Lori, S. 8. 

14) Lippert, Von ehemaligen gelehrten Gesellschaften in Bayern (Abhand- 
lungen der kurfürstl. bayr. Akademie der Wissenschaften 1764). Kurz handeln 
darüber auch Rockinger (Pflege der Geschichte durch die Witteisbacher 74) und 
Neudegger (Archivalische Zeitschrift VI, 147). 

15) üeber diese Aufgabe sagt sie im Parnassus Boicus (I, 6): „Unser 
Parnassus Boicus [wird] sich besonders lassen angelegen seyn, dass wann jewo 
ein altes manuscriptum oder handgeschriebenes buch oder register in einem 
winckel mit den schaben und motten ringet, solches auszustauben und was vor 
die kirch oder etwann auch dem staat vortheiliges darinnen begriffen, denen 
liebhabern zuvernachrichten, zumahlen der Herr gesprochen im Evangelio: Dass 
ein gelehrter gleich seyn solle einem haussvatter, der altes und neues auss seinem 
Schatzkasten hervorbringe (Matthaei 13)." 

16) Darüber s. Lippert a. a. 0. 41 — 42. 

17) Meichelbeck sagt in seiner Selbstbiographie, dem sog. Nucleus: 1722 
8. Juli invitor ad societatem Parnassi Boici, sed ob labores non potui accedere. 

18) Prantl, Geschichte der Ludwigs- Maximilians-Universität in Ingolstadt, 
Landshut und München I, 540. 

19) Vgl. Wegele, Geschichte der deutschen Historiographie 465 ff., 547 ff. 
— Gewiss haben auch deutsche Geschichtsforscher, voran Conring und Leibnitz 
selbständig am Ausbau der kritischen Methode sich betheiligt, aber deren volle 
Ausbildung bleibt doch die That der Mauriner. 

20) Hier hatte die zeitgenössische und die Landesgeschichte schon in der 
zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder Pflege gefunden, aber weder damals, 
noch im Beginn des 18. Jahrhunderts entstand auf österreichischem Boden ein 
landesgeschichtliches Werk, das den Anforderungen der Mauriner voll genügt 
hätte. Selbst in Melk, wo in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts doch 
schon die Gebrüder Pez in deren Sinne wirkten, entstand vor Meichelbecks Historia 
Frisingensis nur Philibert Huebers Austria ex archivis Mellicensibus illustrata 1722, 
ein tüchtiges Werk, das aber doch der Historia Frisingensis nicht ebenbürtig 
zur Seite gestellt werden kann. Vgl. Mayer Anton, Geschichte der geistigen 
Kultur in Niederösterreich I, 251. Auch Metzgers Historia Salisburgensis (1692) 
entbehrt der nothwendigen Kritik. Eccard hat deshalb dieselbe in der Einleitung 
zu seinen Commentarii de rebus Franciae Orientalis mit Stillschweigen übergangen, 



32 

er sagt da, seit Schaten's Annales Paderbornenses seien von Arbeiten auf kirchen- 
geschichtlichem Gebiete nur die „conamina" von Meicbelbeck und Hansitz nennens- 
werth. Selbst im Salzburger Metropolitansprengel war man mit Metzgers Ge- 
schichte nicht zufrieden, sonst hätte Hansitz gewiss nicht im zweiten Bande seiner 
Germaniae Sacra schon wieder die Geschichte des Erzbisthums Salzburg behandelt. 

21) Karl Meichelbeck's Leben haben Grünewald im Parnassus Boicus 1735, 
sodann 1751 Haidenfeld, der Herausgeber seines Chronicon Benedictoburanum, in 
der Einleitung zu demselben 1751 dargestellt. Auf diese beiden Lebensbeschrei- 
bungen Meichelbeck's gehen alle andern Angaben des 18. und 19. Jahrhunderts 
über denselben zurück. Wichtig für Meichelbeck's Vita sind ausserdem sein von 
1692 — 1734 geführtes Diarium (München, k. Hof- und Staatsbibliothek, Meichel- 
beckiana 18 a, b, c), eine kleine von diesem unabhängige Selbstbiographie, die 
nach seinem Tode in Benediktbeuren „Nucleus rerum memorabilium Caroli 
Meichelbeck" (Meichelbeckiana 19) betitelt wurde, und die Angaben, die er über 
seine Thätigkeit hin und wieder in den Annales congregationis Benedictino- 
Bavaricae (Autograph im k. Allgemeinen Reichsarchiv zu München) mittheilt. Zu 
bedauern ist es, dass nur wenige Briefe Meichelbeck's, der nach Ausweis seines 
Diariums eine sehr rege Correspondenz geführt hat, erhalten geblieben sind. — 
Ausser den eben genannten Quellen benützte ich zu meiner Arbeit noch weitere 
Meichelbeckiana (namentlich No. 15) in der Münchner Hof- und Staatsbibliothek, 
Akten des k. Allgemeinen Reichsarchivs zu München und der k. Kreisarchive 
zu München und Neuburg. Gefällige Mittheilungen erhielt ich ausserdem von 
Dr. Katschthaler, Stiftsarchivar in Melk, Dr. Hauthaler, Stiftsarchivar zu St. Peter 
in Salzburg, und Dr. von Stalin, Geh. Archivrath in Stuttgart. 

22) Nucleus: 1697 die 1. Martii in abbatia nostra defert mihi reveren- 
dissimus dominus Bernardus Tegernseensis, congregationis praeses, cathedram 
iuris canonici, sed quis ego eram, ut acceptarem, qui iuri civili nunquam fui 
adhibitus ? 

23) Wie sehr man diese Exercitationes Meichelbeck's im 18. Jahrhundert 
in betheiligten Kreisen geschätzt hat, erfahren wir von Ziegelbauer; derselbe 
sagt in der 1754 erschienenen Historia rei literariae ordinis s. Benedicti (III, 459) 
von denselben : ,Eruditissimae sunt exercitationes menstranae, quas tum temporis 
disputationi et luci publicae exposuit. Philosophicas enim et theologicas specula- 
tionis subtilitates quaestionibus dogmaticis, historicis, criticis et curiosis sie tem- 
peravit, ut ad usum et voluptatem etiam essent iis, quibus non tam scholarum 
tricae, quam sincerior eruditio et historiae tum ecclesiasticae, tum monasticae 
notitia cordi et curae essent". 

24) Mir scheint Meichelbeck lediglich durch das Studium der zu Anfang 
des 18. Jahrhunderts schon veröffentlichten Werke der Mauriner, insbesondere 



33 

des von ihm hochverehrten Mabillon zu dieser Kenntniss gelangt zu sein. Ins- 
besondere wurde Meichelbeck in dieselbe nicht von dem Melker Historiker 
Bernard Pez eingeweiht, denn er hat sie ja schon 1706 angewandt, also zu einer 
Zeit, da Pez noch Jüngling und ihm noch unbekannt war. Auch von einem 
Einfluss norddeutscher Historiker, insbesondere von Leibnitz (den seine Zeitge- 
nossen übrigens nicht als Geschichtschreiber, sondern nur als Sammler von Ge- 
schichtsquellen kennen lernten, da seine darstellenden Geschichtsarbeiten zu seinen 
Lebzeiten nur im Manuscripte existierten) auf Meichelbeck zeigt sich keine Spur. 
Nicht ohne Einfluss auf Meichelbecks Liebe zur Geschichte überhaupt war ohne 
Zweifel die Auffindung der Gebeine der Stifter des Klosters Benediktbeuren, der 
er als Knabe zufällig beigewohnt hat; wenigstens schildert er noch 1730 als 
alter Mann dieses Ereigniss im Chronicon Benedictoburanum (S. 323 — 24) mit 
lebhaften Farben. 

25) S. Beilage II. 

26) Chronicon Benedictoburanum, Einleitung LVII. 

27) Nucleus: 1708. Die 25. Augusti constituor historiographus congrega- 
tionis et liberor a docendi onere, serviturus alias congregationi et proprio mo- 
nasterio. Ita superiores volunt. 

28) Wie es scheint, besass jedes Kloster der Congregation eine Abschrift 
derselben, wenigstens sind noch heute mehrere Exemplare dieser Annalen, die 
aus verschiedenen bayerischen Benediktinerklöstern stammen, erhalten (München, 
k. allgemeines Reichsarchiv, k. Kreisarchiv, k. Hof- und Staatsbibliothek). Ich 
benützte, wie schon gesagt, das Exemplar, das Meichelbeck eigenhändig fortge- 
führt hat, also das authentische Original dieser Annalen. Dieselben würden eine 
Herausgabe gar wohl verdienen. 

29) Meichelbeck hat die einzelnen Abschnitte dieser Annales in Zwischen- 
räumen geschrieben. Er sagt z. B. im Nucleus: ,Anno 1711 compono et con- 
tinuo annales nostrae congregationis ab anno 1698 usque 1709 inclusive, qua 
occasione multum proficio, et ista quidem mense Januario et Februario." Die 
fertigen Abschnitte kamen jeweils bei den Jahresversammlungen der Congregation 
zur Verlesung. So erzählt z. B. der Nucleus zum April 1717: ,0b historiam 
congregationis ad mensam legi solitam omnes abbates et caeteri praesentes omnes 
solennes gratias dicunt bibendo alacriter in meam sanitatem." 

30) Ziegelbauer, Historia rei literariae ordinis s. Benedicti III, 459. 

31) Chronicon Benedictoburanum I, 368. — Im Nucleus erzählt Meichel- 
beck hierüber beim Jahre 1709: „Mense Junio et Julio vocatus Monachium ab 
administratione caesarea ago cum legato Brunsvicensi et Luneburgensi Schradero, 
a quo habeor aperte et numisma memoriale egregium acquiro non sine aestima- 
tione." Trotzdem nahmen Meichelbecks Beziehungen zu Herrn von Schrader bald 

5 



34 

ein Ende. Meichelbeck sagt darüber im Nucleus zum August 1708: „Indignissime 
fert legatus Hannoverensis, quod eum hac vice (d. i. bei einem erneuten Geschäfts- 
aufenthalte in München) non visitarim; ego vero rationes habui urgentes, quia 
nempe nolebam nee poteram ei dare ulterius quidpiam et originalia nolebam dare 
ipsi, cum alia monasteria videam quasi cogi ad extradenda originalia." Gut war 
es, dass Meichelbeck nie erfahren hat, dass der Gesandte Schrader in seinen 
Berichten nach Hannover nicht einmal seinen Namen nannte. Derselbe meldete 
am 16. Juli 1709 dorthin einfach: „Es ist dieser tage ein münch aus einem 
kloster Benedictbeuren genannt bei mir gewesen und hat mir einige alte copias 
von ihren documentis, zufohderst aber auch einen rotulum chronici, so 7 eilen 
lang und saeculo XL scheint geschrieben zu sein, gezeiget. . . Eben dieser münch 
hat mir auch antiquam copiam eines diplomatis von Friderico I. imperatore com- 
municiret, woraus vorzunehmen, in was grosser consideration Henricus Leo bei 
selbigem kaiser gewesen. " (Gefällige Mittheilung des k, Staatsarchives in 
Hannover.) 

32) Ueber die wissenschaftliche Thätigkeit dieses trefflichen Fürsten s. die 
Widmung des ersten Bandes der Historia Frisingensis. 

33) S. Beilage I, 1. — Auch Ziegelbauer gibt im Einklänge mit dieser 
Annahme in seiner Historia rei literariae ordinis s. Benedicti III, 461 als Grund 
für Meichelbecks Ablehnung an: „ne alienam sibi invidiam conciliaret". 

34) Darüber handelt Meichelbeck ausführlich in den Annales congregationis 
Benedictino-Bavaricae I, 247 ff. 

35) Das zeigt schon der Titel der einzigen Controversschrift Meichelbecks; 
derselbe lautet: „Gründliche und genaue Besichtigung jener aus allerhand lieder- 
lichen lutherischen rostigen Trümmern armseelig zusammgeschweisten, stich- und 
schneidlosen Sensen, welche nicht unlängst wider den Acker der allein seelig- 
machenden catholischen Kirchen aus der liederlichen Rüsteammer Lutheri so 
grimmig als einfältig hervorgezogen Josephus Dominicus von Sensen, Gelübds 
und Religionsvergessenen Mönch und dermahlen verweibter Pastor und Pfarrer 
zu Darmschein in Würtmberg, nun aber an dem Felsen der wahren Kirchen 
und heiligen Vattern probiret und zertrümmeret." — Im folgenden Jahre 1710 
besorgte Meichelbeck eine vermehrte Neuausgabe der Vita und Translatio der 
Benediktbeurer Patronia Anastasia von Aemilian Biechler unter dem Titel: 
„Leben, Leyden, Todt, Erhebung und gnadenreiche Gutthätigkeit der grossen 
hl. Martyrin Anastasia, dero hochschätzbarste Reliquien in dem Jahr Christi 1035 
in das uralte Stifft und exempte Closter Benediktbeyrn versetzet worden und 
noch allzeit mit scheinbaren Wunderzeichen alldorten leichten," Eine neue Auf- 
lage dieses Büchleins besorgte Meichelbeck 1733. Dieses deutsch geschriebene 
Büchlein dient der Erbauung, hat also keinen historiographischen Werth. Doch 



35 

kann Meichelbeck den historischen Sinn auch hier nicht verläugnen, denn er 
hat in dieses Büchlein eine kurze Geschichte von Benediktbeuern aufgenommen 
und stützt deren Angaben ausdrücklich auf die Urkunde des Klosters. 

36) Erwähnenswerth dürfte es sein , dass Meichelbeck in seinem sonst 
lateinisch abgefassten Diarium seine Erlebnisse während seines Aufenthaltes in 
Rom und Italien in italienischer Sprache erzählt. 

37) Die Handschrift derselben ist jetzt auf der k. Hof- und Staatsbibliothek 
zu München. Ueber diese Geschichte sagt Meichelbeck im Nucleus: „Mense 
Martio 1714 magno labore absolvo historiam cremitorii Wallenseensis et in ipso 
Paschali festo ofFero reverendissimo, quae postea ad mensam fuit lecta et non 
sine singulari omnium approbatione audita". Diese Geschichte war übrigens nie 
für die OefFentlichkeit bestimmt, sondern sollte lediglich dem Kloster Benedikt- 
beuern als Rüstkammer für den Fall des Wiederauflebens dieses unerquicklichen 
Streites dienen. 

38) Pez, Thesaurus anecdotorum novissimus I, S. XVH: ,Vir, quo eruditi- 
orem ac antiquitatum praecipue Bavaricarum scientiorem in Bajoaria non in- 
venimus." 

39) Im Diarium steht beim 26. August 1720: „Literas a P. Pezio, qui 
oifert munus historici Fuldensis". 

40) Meichelbeck hat dies mit Rücksicht auf sein körperliches Befinden 
gethan, denn er sagt im Diarium beim 2. Sept. 1720: „Reverendissimus (d. i. der 
Abt von Benediktbeuren) asserit me abire Fuldam ad historiam conficiendam, 
ego expono infirmitatem meam." Im Nucleus steht nur: „Invitor ad scribendam 
historiam monasterii Fuldensis, recuso non sine gravibus rationibus." — Das 
Fuldaer Archiv gibt nach gefalliger Mittheilung des k. Staatsarchives Marburg, 
in dem sich dasselbe jetzt befindet, über diese Angelegenheit keine Auskunft. 

41) Derselbe kannte nicht nur Meichelbecks historische Kenntnisse, sondern 
auch seine archivarische Tüchtigkeit. Im Nucleus erzählt Meichelbeck: ,Anno 
1710 Cal. Augusti per dei singularem gratiam detego codicem Caroli Magni 
donatum Elilando (dem Stifter von Benediktbeuern) et deinceps multos illo anti- 
quiores, quorum nemo unus hominum notitiam hactenus habuit. Videns hos 
Codices et alia nostra documenta obstupescit episcopus Frisingensis, qui die 16. 
Augusti per horas quinque mecum fuit in archivo." Vgl. über den hier genannten 
Codex Caroli Magni das Chronicon Benedictoburanum S. 22. 

42) Am 2. Sept. 1720 schrieb Meichelbeck an Bernard Pez nach Melk: 
„Celsissimus princeps Frisingensis iam ab annis duodecim postulat, ut historiam 
episcopatus Frisingensis conscribam et Frisingae vivam, ast in hanc diem non 
potui satisfacere illius imperiis ob domestica impedimenta. " (Gefällige Mittheilung 
von Dr. P. Katschthaler, Professor und Stiftsarchivar in Melk.) 



36 

43) S. Beilage I, 2. 

44) Der Bischof erklärte denselben am 4. Januar 1723 schriftlich: „Weillen 
die zu verfassen vorhabente chronic noch nicht ist in seinem standt, wir auch 
Selbsten solche zu durchgehen und noch weiters mit aller behuetsambkheit durch 
die unnserigen revidieren z'lassen gedenkhen, damit ir nichts einfliesse, so dem 
von gott unns anvertrauten hochstüfFt ainige weeg nachtheillig sein khönnte, so 
würdtet es hiemit noch woll ainigen anstandt leiden, wo immittels unns nicht 
entgegen, auch derentwillen vor würckhlicher impression unns mit denen selben 
(d. i. den Domherrn) vorleuffig zu vernemmen." Original in Heckenstaller Fris. 
Bd. 183 (erzbischöfl. Ordinariatsarchiv München), gütigst mitgetheilt von Dom- 
kapitular Dr. Uttendorfer in München. — Vgl. auch Beilage I, 2. 

45) S. Beilage I, 4. 

46) S. Beilage I, 3; Historia Frisingensis IT, 473. 

47) Auch nach der Drucklegung des ersten Bandes der Historia Frisingensis 
hat Meichelbeck an ihrer Verbesserung zu arbeiten nicht aufgehört. Ein durch- 
schossenes Exemplar dieses Bandes, das Meichelbeck bei Händen gehabt hat 
(jetzt in der Münchner Hof- und Staatsbibliothek), enthält eine Reihe von eigen- 
händigen Nachträgen und Berichtigungen. 

48) Nach dem Diarium begann Meiclielbeck diese Arbeit am 30. März 1724 
und schon am 13. Mai, also nach kaum sechs Wochen sandte er sie in die 
Druckerei. 

49) Dieselbe war eigentlich ein Doppelfest, denn Fürstbischof Johann Franz 
begieng 1724 gleichzeitig mit dem tausendjährigen Jubiläum seines Bisthums 
aucli das fünfzigjährige seines Priesterthums. 

50) Hier gerieth Meichelbeck wieder in Kampf mit den Domherrn von 
Freising, denen die Abbildung des hl. Corbinian im Benediktinergewande nicht 
gefallen wollte, s. Beilage I, 5. 

51) S. Beilage I, 7. 

52) In diese Zeit fällt auch die Meichelbeck zugeschriebene deutsche Ueber- 
setzung der italienischen Biographie Benedikts XIIT. In Wahrheit ist Meichel- 
beck jedoch nur der Urheber dieser Uebersetzung, denn er sagt im Nucleus 
(Bl. 20) : „Vita Benedicti XIII. meo suasu et ex meis libris prodit in lucem 
idiomate Germanico." Uebersetzer war der Wessobrunner Historiker Coelestin 
Leuthner. 

53) Den zweiten Band Hess Meichelbeck in einer protestantischen Druckerei 
zu Augsburg drucken. Er bekam darüber schweren Verdruss, denn der Corrector 
der Druckerei hat eigenmächtig hinter Meichelbecks Rücken Stellen über die 
Reformation verändert. Meichelbeck hatte z.B. in seinem Manuscripte : „Initia 
sectae Lutheri", dafür steht im Drucke: „Initia concussionis ecclesia Romanae, 



37 

quae per Lutheri doctrinam contigit". Vgl. darüber Chronicon Benedictobu- 
ranum 396—402. 

54) Am 25. Okt. 1729 schrieb Meichelbeck an den Abt von St. Peter in 
Salzburg: „Jamjam absolvi novum quoddam opus, cui titulus chronicon Bene- 
dictoburanum, in quo non pauca ad res ordinis illustrandas pertinentia reperiri 
poterunt, quaedam puncta etiam res Salisburgenses dilucidabunt et quidem circa 
aetatem s. Ruperti episcopi et acta Conradi I. Salisburgensis archiepiscopi. Opto, 
ut labor hie meus nulla invidia supprimatur !" (Gefällige Mittheilung von Dr. 
P. W. Hauthaler, Stiftsarchivar zu St. Peter in Salzburg, aus dem dortigen 
Originalbriefe.) 

55) Nucleus (Bl. 24): „Uti P. Columbanus Tegernseensis anno 1726, ita 
etiam P. Sebastianus Wessofontanus jussu superiorum cupiunt instrui circa archivum 
hoc anno 1733. 1731 diebus 11., 12. et 13. Nov. P. Amantius Wessofontanus a 
suo abbate cum literis missus longe majorem notitiam hausit circa instructionem 
archivi," Vgl. auch Chronicon Benedictoburanum S. 366. — Handschriften dieses 
Repertoriums besitzen jetzt das k. bayr. Allgemeine Reichsarchiv und die k. Hof- 
und Staatsbibliothek zu München. 

56) Nucleus: „Absolvo chronicon monasterii, quod postea [1730] publice 
ad mensam legitur cum omnium satisfactione, nihilominus quidam crabrones 
contra illud concitant. Commendo rem deo." Schon im Okt. 1729 war Meichel- 
beck diese Stimmung nicht entgangen, s. seinen Wunsch in Anmerkung 54. — 
Bereits 1709 hatte derselbe den Auftrag erhalten, über eine Geschichte seines 
Klosters einen Plan zu fassen; er sagt im Nucleus zum 19. Okt. d. J. : ,Jubeor 
suscipere instructionem archivi et meditari chronicon nostri monasterii." Er hat 
später wirklich an der Geschichte seines Klosters gearbeitet, denn dies schreibt 
er am 20. Nov. 1715 Bernard Pez. (Gefällige Mittheilung von Dr. P. Kat-sch- 
thaler in Melk.) Offenbar wegen der übrigen Geschäfte Meichelbecks kam es 
damals noch nicht zur Vollendung der Benediktbeurer Geschichte. 

57) S. Beilage HI. 

58) Diesen Beschluss theilte Abt Magnus von Benediktbeuern in folgender 
Weise Meichelbeck mit: ,Quandoquidem venerabilis conventus identidem un- 
animi ferme voto in eam ivit sententiam, ut editio chronici nostri differatur : ideo 
nullus dubito, quin admodum R. Pater in hac votorum concordia divinam adorabit 
voluntatem, huicque resignato animo sese tradet. Spes a me facta et res haec 
iamiam evulgata famae admodum R. Patris eo minus praeiudicium ferrent, quo 
saepius contingere solet, ut opus quoddam gravibus ex motivis differatur et 
aptiori tempori reservetur. Deus compensabit laborem et optimam pro monasterio 
intentionem, ego autem cum devinctae gratitudinis significatione semper persevero 
admodum R. Patris addictissimus Magnus abbas." (Original in Meichelbeckiana 18.) 



38 

59) Handschrift in der k. Hof- und Staatsbibliothek zu München. Auch 
in diesem Werke sind die Urkunden weggelassen. Vollendet hat es Meichelbeck 
schon am 23. Mai 1733. — Um diese Zeit beschäftigte denselben auch die Frage 
über den Verfasser und die Entstehungszeit der „Nachfolge Christi"; darüber 
existiert ein interessanter Brief Meichelbecks an den Abt von Rott a/Inn (Meichel- 
beckiana No. 15); vgl. auch Chronicon Benedictoburanum S. 399. 

60) Diarium zum 11. und 12. August 1733: „Initium visitationis. Ego nihil 
propono nisi meum negotium. — Indicat mihi [reverendissimus praeses, abbas 
Tegernseensis], satisfactum iri meis votis. Alius mihi insinuat, conventum pro 
me unanimiter stetisse. Similia asserit pater secretarius. Reverendissimus praeses 
me seorsim vocat et confirmat, quod heri notavi, addit, omnes pro me stetisse, 
unum non fuisse interrogatum. Deolaudes!" Vgl. Chronicon Benedictoburanum, 
Einleitung. — Meichelbecks Eingabe an die Congregation gebe ich unten als 
Beilage IV. 

61) Chronicon Benedictoburanum. — Die Exemplare der Hohenauer'schen 
Ausgabe sind theils von 1751, theils von 1752, theils von 1753 datiert. Der 
Grund hievon ist mir unbekannt geblieben. 

62) Die äussere Anordnung seiner Geschichte hat Meichelbeck ohne Zweifel 
Metzgers Historia Salisburgensis entlehnt. 

63) Vorwort zum 1. und 2. Bande der Historia Frisingensis. Im Nucleus 
Bl. 19 lobt Meichelbeck das Entgegenkommen der Klöster mit den Worten : 
„Ingens fiducia erga me a celsissimis abbatibus, praepositis etc. in communi- 
candis documentis". 

64) Wie sehr Meichelbeck Kozroh schätzte, zeigt er selbst in der Historia 
Frisingensis I, 115. 116. 128. 

65) Gegen Meichelbecks Urkundenedition und Werke überhaupt sind Ritter 
von Lang (Hermes XXIX, 12) und Karl Roth aufgetreten, aber ohne Berück- 
sichtigung der Verhältnisse, in denen Meichelbecks Werke entstanden sind. Beide 
Kritiker werden deshalb gegen ihn ungerecht. Karl Roth geht sogar so weit 
zu sagen, Meichelbeck habe alles, was die Freisinger Jubiläumszwecke nicht 
förderte, unbedenklich weggelassen und die wichtigsten Dokumente unterdrückt, 
stellt aber damit Behauptungen auf, die mit der Wahrheit nicht in Einklang zu 
bringen sind. Richtig ist, dass Meichelbeck, obschon er in der Historia Fri- 
singensis I, 128 angekündigt hatte, Kozroh in diesem Werke ganz (theils im 
Texte, theils in der pars instrumentaria) zu veröfPentlichen, einzelne Urkunden 
Kozroh's weggelassen hat, aber deren sind es nach meiner Zählung noch nicht 
50, und von diesen sind die meisten unbedeutenden Inhaltes. Richtig ist ferner, 
dass Meichelbeck nicht immer erkannt hat, wie die einzelnen Traditionen zeitlich 
zu bestimmen sind. Im Gegensatze zu Roth's nörgelnden Aussetzungen hat Graf 



39 

Hundt Meichelbecks Ausgabe der Traditionen Kozroh's in den Abhandlungen XII, 
157 — 58 richtig gewürdigt, ebenso Mayerhofer in der Zeitschrift für Archiv- 
wesen VIII, 147—154. 

66) Als Beleg theile ich in der Beilage III und IV seine Gründe mit, 
mit denen er die Drucklegung des Chronicon Benedictoburanum durchzusetzen 
versucht hat. Aehnlich äussert sich Meichelbeck auch in den Vorreden zu den 
beiden Bänden der Historia Frisingensis und zum Chronicon Benedictoburanum. 
Selbstverständlich will Meichelbeck von der Veröffentlichung die Urkunden aus- 
geschlossen wissen, die keinen besonderen Werth für die Geschichte besitzen oder 
deren Edition thatsächlich Schaden anrichten kann. Vgl. Vorrede zur pars 
instrumentaria des zweiten Bandes der Historia Frisingensis. 

67) Kurtze Freysingische Chronika oder Historia, Widmung S. 2. 

68) Am 21. April 1722 schrieb Meichelbeck z. B. an den Abt von Rott a/Inn: 
„Optaret celsissimus princeps, ut etiam aliunde ac praecipue ex inclyti monasterii 
Rottensis locupletissimis tabulariis huc mitterentur ea, quae possunt illustrare 
historiam episcoporum et principum Frisingensium quovis modo qualem modum 
utique suppeditare solent chartae donationum, ecclesiarum dedicationes, abbatum 
benedictiones, gratiae collatae, contractus, episcoporum catalogi manu scripti, paucis 
dicam, res omnes memorabiles ab episcopis Frisingensibus non tantum bene, sed 
etiam parum bene gestae, quae nondum productae fuere in lucem publicam et 
adhuc inter privata chartaria fortassis allitescunt." (München, k. Allg. Reichs- 
archiv.) — Vgl. auch Widmung der kurtzen Freysingischen Chronik S. 2. 

69) So sagt er im Chronicon Benedictoburanum I, 147: Die Aussöhnung 
Ludwigs des Bayern mit den Päpsten sei nicht gelungen, ,quia pontifices tunc 
in Galliis constituti liberi non erant, sed regis Gallorum Ludwico infensissimi 
metu constricti". (Ebenso in der Historia Frisingensis II, 145.) Selbst in der 
volksthümlichen kurtzen Freysingischen Chronica (S. 208) betont er : ,Der Kayser 
wurde sich anno 1335 mit dem Pabsten wohl verglichen und dem traurigen 
Zustand der Kirchen und dess Reichs ein Ende gemachet haben, wann nit der 
König in Franckreich, in welchem Reich sich dazumahl der Pabst befandte, ge- 
wust hätte Mittl auszufinden, ein solches zu verhinderen, weilen er Selbsten lieber 
wäre Kayser gewesen." 

70) Dass Meichelbeck trotz seiner Strenge auf dem Gebiete der Kritik 
doch manchmal strauchelte, ist richtig. So hat er noch keinen Argwohn gegen 
die Erdichtungen des Trithemius und der Kemptner Chroniken des 15. Jahr- 
hunderts, aber der Unwerth dieser , Quellen* ist ja überhaupt bis in unsere Zeit 
herein unerkannt geblieben, lieber seine Kritik schrieb Meichelbeck an Bernard Pez 
den 11. März 1732: „Bernarde! Scis multos errores Bojis quibusdam antiquitus 
insitos in Frisingensi historia a me propitio numine fuisse conf utatos et evulsos. 



40 

Neminem tamen hominum, quantum in hanc horam mihi constat, offendi. Qua 
id ratione ? Quia nullius vivi (saepissime nee mortui) nomen propalavi, ut nempe 
omnes intelligerent me non agere contra hominem, sed contra erroneam opinionem 
tantum. Verum quando locus erat scriptorum (tui maxime et clarissimi germani 
tui) honorificam mentionem faciendi, neutiquam nomina reticui, aliquando forte 
etiam encomia adieci — Ego semel et semper censeo, sententias hominum aliquando 
recte impugnari, homines vix unquam, quia propalatio nominum rem numquam 
facit meliorem, saepe vero et plerumque deteriorem." (Orig. im Stifte Melk, ge- 
fälligst mitgetheilt vom dortigen Stiftsarchivare, Professor Dr. P. Katschthaler); 
vgl. auch Katschthaler, Ueber Bernard Pez und dessen Briefnachlass S. 97. 

72) Gefällige Mittheilung aus Meichelbecks Briefen an Bernard Pez in 
Melk von Dr. P. Katschthaler. 

73 j Nur in den Einleitungen zu seinen Werken bespricht er kurz die Lage 
der Stadt Freising und des Klosters Benediktbeuern. Bemerkenswerth ist es, 
dass Meichelbeck dabei Sinn für die Schönheit der Alpen zeigt, was zu seiner 
Zeit noch selten war. S. Chronicon Benedictoburanum S. LXXXVIII. 

74) Umgekehrt kennt auch Meichelbeck den Werth seiner Werke für die 
bayerische und deutsche Geschichte, s. Chronicon Benedictoburanum S. LVIII, 
Historia Frisingensis II, S. XX. 

75) Nicht zu billigen ist, dass Meichelbeck in den Text des Chronicon 
Benedictoburanum eine kritische Untersuchung über die Vita und Translatio s. 
Anastasiae, die er ursprünglich als eigenes Werk edieren wollte, aufgenommen 
hat, denn die Einschaltung derselben unterbricht in sehr störender Weise seine 
Erzählung. 

76) Dies hat schon Deutinger (Die älteren Matrikel des Bisthums Freysing I 
S. IV) erkannt. 

77) Auch den Werth der Buchdruckerkunst hebt Meichelbeck rühmend 
hervor, s. kurtze Freysingische Chronik 237. 

79) Meichelbeck hat viele Siegel in der Historia Frisingensis abbilden 
lassen, dass er nicht noch mehr vervielfältigte, hat hauptsächlich der Kosten- 
punkt verhindert. Vgl. Vorwort zur pars instrumentaria des zweiten Theiles 
der Historia Frisingensis. — Dass Meichelbeck nicht in seinen Werken noch 
mehr Siegel abgebildet hat, gereicht übrigens denselben nicht zum Nachtheile, 
denn die von ihm gebotenen Abbildungen von Siegeln (und überhaupt von Kunst- 
gegenständen) sind ganz ungenügend. Zu seiner Zeit gab es eben noch niemand, 
der das Erzeugniss eines alten Stils getreu hätte wiedergeben können. 

80) So sagt z. B. Hansiz von Meichelbecks Darstellung: ,De stylo et methodo 
nihil dico, certat elegantia cum accuratione et modestia". Ebenso nennt der Car- 
dinal Todeschi Meichelbecks Stil ,stylum elegantem ac solidum et ex omni parte 



41 

Germanum, id est sincerum et nulla arte aut fuco compositum." (Chronicon 
Benedictoburanum S. LIX — LX.) Auch der Freisinger Domherr Fraporta rühmt 
in seiner Censur des 1. Bandes der Historia Frisingensis Meichelbecks „suavis 
methodus et concinnus scribendi ordo". 

81) Chronicon Benedictoburanum S. LXI — LXII. — Am merkwürdigsten 
ist das ürtheil des Kritikers in den „Deutschen Acta Eruditorum" (Theil 107, 
S. 761—85; Theil 150 S. 381—409). Derselbe möchte am liebsten an Meichel- 
becks Historia Frisingensis nörgeln; er wirft ihm sogar Mangel an Wahrhaftig- 
keit vor, kann aber doch nicht umhin, sein Werk zu loben. Wie wenig der- 
selbe übrigens zu seiner Kritik berechtigt war, zeigt er selbst, indem er von den 
Urkunden, die Meichelbeck veröffentlicht hat, meint, man könne aus denselben 
„wohl nicht viel mehr lernen, als was für ein um sich fressendes Uebel in einem 
Lande die Geistlichen sind". — Günstig urtheilen über das Chronicon Benedicto- 
buranum die Göttinger Anzeigen von gelehrten Sachen II, 721; sie loben na- 
mentlich die Veröffentlichung von Urkunden und die Bezugnahme auf die 
bayerische und deutsche Geschichte. — • Meichelbeck war über das ihm gespendete 
Lob voll Dankes. Er sagt in seinem Diarium zum 11. Januar 1725: „Dedit 
bonum numen, ut historia mea ubique magnam et plus quam ordinariam habeat 
commendationem. " 

82) Chronicon Benedictoburanum S. LXI. 

83) Germania sacra II, Vorrede. 

84) Darüber erzählt Meichelbeck in den Annales congregationis Benedictino- 
Bavaricae II, 116 — 17 also: „Reverendi patres societatis Jesu per provinciam Au- 
striacam ab augustissimo imperatore Carolo VI, utpote rei historicae promovendae 
addictissimo , saepe fuerant stimulati, ut more Benedictinorum Galliae manus 
tandem apponerent ad antiquitates Germaniae critice illustrandas et cum orbe 
erudito communicandas, quod nemo imperatorum nostrorum hactenus tanto ardore 
praestitit. Obsecuti fuere mandato huic Caesareo e societate quidam, et inter hos 
potissimus admodum reverendus P. Marcus Hansizius, qui sibi proposuit edere 
Germaniam Sacram seu descriptionem singulorum per Germaniam episcopatuum 
et reapse anno 1727 ,primum tanti operis tomum edidit, in quo metropolim 
Lauriacensem cum episcopatu Pataviensi chronologice proposuit, et opus illud 
suum Carolo VI Romanorum imperatori augustissimo ceu ecclesiarum advocato 
supremo nuncupavit. Hie scriptor non semel usus tomo primo historiae Fri- 
singensis, cum postea se ad tomum secundum Germaniae Sacrae de archiepisco- 
patu Salisburgensi conscribendum convertisset, mense Januario hujus anni, usus 
opera admodum reverendi domini Philippi Salier, canonici regularis Pollingani, 
sacrosanctae theologiae doctoris, tam arctam cum Frisingensi ac simul nostrae 
congregationis historico familiaritatem contraxit, ut, quotiescunque aliquot folia 

6 



42 

sui tomi secundi Germaniae Sacrae e typis Augustanis emersissent, statim ad 
dictum historicum nostrum transmitterentur, cui facultatem plenam addidit ad- 
monendi sese, quidquid in opere illo censeret esse mutandum. Tarn insolita 
ingenuitate, uti amiee rogatus fuerat, etiam usus historicus noster quaedam prae- 
cipua puncta emendanda P. Hansizio fideliter per literas exposuit, qui etiam factas 
monitiones tarn candido animo excepit, ut non solum aliqua recantaverit, verum 
etiam expresserit nomen illius, qui errorem ei exemit, Profecto Jesuita ille eum 
in modum aliqaid praestitit, quod inter socios aut pauci aut nulli solent, uti 
judicant viri eruditi, qui rem hactenus expenderunt. Interea familiaritas illa inter 
P. Hansizium et historicum nostrum tum in epistolis privatis, tum typis publicis 
hactenus perdurat". — Im Nucleus sagt Meichelbeck zum Jahre 1729 über sein 
Verhältniss zu Hansitz: „Die 11. Nov. reverendus P. Hansizius S. J. literas tam 
expressivas ad me dedit super tomo meo secundo, ut crediderint et credant magni 
viri, a Jesuita nunquam tales fuisse datas ad aliquem Benedictinum", 

85) Darüber sagt Meichelbeck im Nucleus S. 22: „1725 mense Junio 
saepius invitor Viennam per reverendissirnum Gotwicensem, qui nomine celsissimi 
caesari obtulit historiam meam magnopere a caesare laudatam, Ego propositis 
gravibus rationibus me excuso. Patuisset via ad labores caesari praestandos, 
verum vires meae incipiunt deficere." In Göttweih und ebenso auch im k. und 
k. Staatsarchiv zu Wien sind keine Correspondenzen über diese Absicht des Abtes 
Bessel erhalten geblieben. 

86) Ueber den durch das Lob des Kaisers über Meichelbecks Historia ver- 
anlassten Umschwung der Stimmung in Freising s. Beilage I, 6. 

87) Chronicon Benedictoburanum und Historia Frisingensis, Approbationen 
und Vorreden. — Der Parnassus Boicus stellt Meichelbeck sogar mit Mabillon 
in eine Reihe; er schreibt (1735 S. 35): „So sehr bey denen Frantzosen der 
grosse Benedictiner Mabillon und in Oesterreichischen Landen die vortrefflichen 
Pezii mit gebührendem Ruhm angeprisen werden, so fast billich ist es, dass man 
in Bayern das Gedächtnuss Herrn P. Caroli Meichelbeck vor andern mit gleichen 
Fleiss aufzuzeichnen und zu publiciren sich bemühe." 

88) Leuthner, Historia monasterii Wessofonteri (im Manuscripte schon 1746 
vollendet). — Töpel, Succincta informatio canoniae Pollinganae. — Genau 
ahmte das Stift St. Andreas in Freising Meichelbecks Art nach, denn in seinen 
„Actorum insignis collegiatae ecclesiae s. Andreae apostoli in monte Frisingensi 
Volumina tria" (1723 — 30) gibt dasselbe nicht nur seine Geschichte, sondern 
auch die Copien seiner Urkunden, letztere sogar mit notarieller Beglaubigung. 
Dieses Stift dachte jedoch nie an eine Drucklegung dieses Werkes. Die Hand- 
schrift desselben (jetzt im Allg. k. Reichsarchiv zu München) ist mit grösster 



43 

Sorgfalt geschrieben und mit Abbildungen von Kunstgegenständen, Siegeln und 
Wappen geziert. Als Verfasser dieser an sieb bedeutendsten Nachahmung der 
Meichelbeckischen Geschichtsschreibung sind nur , mehrere Canoniker" des Stiftes 
genannt. Dass in diesem Werke Meichelbecks Name nicht erwähnt wird, ist 
nach dem in der Beilage I, 4 Erzählten begreiflich. 

89) Noch 1788 hat Lorenz Westenrieder in unserer Akademie in seinem 
Vortrage „Ueber die Verheimlichung alter Handschriften und Urkunden" gegen 
dieses Vorurtheil zu kämpfen für nothwendig erachtet. Seine Ausführungen 
sind heute noch lesenswerth. — Vgl. über die Oeffnung der Archive auch Heigel, 
Geschichtliche Bilder und Skizzen 178 ff. 

90) Sie fand übrigens hiebei nur bei den Klöstern, nicht bei den Städten 
und edlen Geschlechtern Entgegenkommen, s. von Koch-Sternfeld, Betrachtungen 
über die Geschichte, ihre Attribute und ihren Zweck, S. 21. 



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Beilagen. 



I. Meichelbecks Aufenthalt in Freising 1722—24. 

Aus den Annales congregationis Benedictino-Bavaricae II, 30 — 72. 

1) [30] 1722. Interea mense Martio hujus anni a celsissimo principe et 
episcopo Frisingensi Joanne Francisco Frisingam clementissime evocatus, in aulam 
susceptus et mensae insuper episcopali deinceps adhibitus fuit P, Carolus Bene- 
dictoburanus, ut ibi ex innumeris pene et antiquissimis membranis ac codicibus 
pretiosis historiam Frisingensem conscribeiet. Arduum illad opus idem celsissimus 
eidem P. Carolo jam olira anno Christi 1709, quo translatio divi Nonnosi contigit, 
in publico convivio detulerat, verum P, Carolus tum quod operis difficultatem 
horresceret, tum maxime quod Frisingensium quorundam ingeniorum indolem 
jam ex multo tempore perspectam haberet, modeste sese pluribus annis opposuit, 
donec tandem annus decies saecularis Frisingensis ecclesiae jam non procul abesset, 
et ad eura festivissime celebrandum ejusmodi historiae opus esse visum esset. 
Itaque decretoriis tandem literis accitus et insuper etiam proprii reverendissimi 
domini abbatis mandato permotus, manus tandem dedit, et de adjutorio dei con- 
fisus manum arduo et delicatissimo operi admovit. De eo opere non attinet hie 
quidquam dicere, cum deinceps in publicum prodierit et, uti existimamus, ad 
pleraque nostra monasteria devenerit. 

2) [46] 1723. Statim ad initium hujus anni, cum reverendissimus ac cel- 
sissimus princeps Frisingensis illustrissimo collegio cathedrali convivium ex more 
magnificum exhiberet, fuit nonnemo canonicorum, vir rixis dudum assuetus, qui 
asserebat principi, timeri, ne historiae Frisingensi (cui eo ipso tempore insudabat 
P. Carolus Benedictoburanus) insererentur aliqua, quae cathedrali ecclesiae facile 
possent praejudicia quaedam accersere, rogari itaque principem, ut scriptio illa 
cum illustrissimo capitulo mature communicetur. Haec erat propositio hominis, 
qui modis omnibus allaborabat, ut partus ille nondum editus ante incunabula suf- 
focaretur. Ea res adeo commovit animum celsissimi, ut, quamvis semper esset 
indolis mitissimae, tamen in ea verba proruperit: „Quid? egone de vobis hac- 



45 

tenus nihil aliud fui promeritus, quam ut suspicemini, permissurum me aliquod 
praejudicium ecclesiae raeae afferri? Talisne vobis est raeus mareschallus (qui 
operi quotidie praesens est), ut de ejus fidelitate ac prudentia dubitandi apud 
vos locus sit ? Scio, scio, quid agatur, serpens ille antiquus adhuc latet in quodam 
sinu, qui dudum contra me tot jurgia movit. Verum satis est. Dabo operam, 
ut orania bene fiant, et vos discatis melius sapere." Et hie quidem discursus 
diutius tenuit, maxirae cum etiam illustrissimus mareschallus sese merito et qui- 
dem energice interponeret. Suspicatus postea celsissimus, ne ea res P, Carolum, 
qui praesens aderat, affligeret, altera statim die, raatutino tempore, assumpto 
secum domino cancellario ad eum dignatus est venire, ut ei solatium afferret ac 
fastidia tantisper dispelleret, oblaturus aureum mnemosynon, quod cancellarius 
manu interea condiderat. Verum ubi vidit celsissimus P. Carolum neutiquam 
iis rebus esse turbatum, sed potius ridere ad bruta fulmina, solatio et ipse plenus 
discessit, Cancellarius tarnen donarium illud postea secum retulit. Quo animad- 
verso, quid existimas, lector, P. Carolo in mentem venisse? Dices fortassis, eum 
poenituisse aut alacritatis aut patientiae suae, quae illi jacturam illam pepererint? 
Id quidem suspicari mea pace poteris. Credes nihilominus zelum principis pro 
defendendo opere fuisse illi pretiosiorera super aurum et topazion. Illud insuper 
jucundum illi accidit, quod hoc mense Januario etiam canonici reguläres dioecesis 
Frisingensis coeperint sua documenta Frisingam afferre historiae inserenda; id 
quod plerique nostrorum jam prius praestiterant. 

3) [48] 1723. Paulo post mense Aprili in aulara Frisingensem vocatus 
venit R. P. Leonardus Hochenauer Benedictoburanus P. Carolo in exscribendis 
numerosissimis instrumentis et concinnandis indicibus sociam operam juncturus. 

4) [53] 1723. Eodem mense iidem domini canonici [coUegii s. Andreae] 
sacrum quoddam (ut ipsi quidem putabant) corpus, nempe EUenhardi episcopi 
Frisingensis, fundatoris collegii sui, in sua illa collegiata ecclesia reperire stu- 
duerunt. Itaque die 30. Junii praemiserunt jejuniura, ut inventio eo felicius 
eveniret. Invitatus in eum finem humillime fuit ipse celsissimus princeps et 
(quod forte non indignum est memorari) etiam Frisingensis historicus, quippe 
qui dominorum canonicorum opinioni super sanctitate illius episcopi neutiquam 
adhaerebat. Itaque die 31. Julii praemisso festivissimo officio adfuit celsissimus 
princeps cum aulico comitatu, in quo etiam historicus Frisingensis locum obtinuit, 
tametsi is ingenti capitis debilitate laboraret. Ventum postea est ad tumulum 
EUenhardi, qui cancellis ferreis, inscriptione atque operimento jam antea remotis 
fuerat apertus, usque dum in terrae profunditate, quae proceram viri staturam 
longe superabat, repertus est loculus ligneus: qui proinde rainime reclusus, sed, 
dum adesset ipse episcopus, ejus sigillo Interim fuit munitus. 



46 

Cingebatur tumuli locus tum ab aulicis, inter quos commodiori loco epi- 
scopus, tum a dominis canonicis, inter quos stabat historiographus, una cum 
conferta populi multitudine. Loculum postea reserare coepit cubicularius cel- 
sissimi ceu chirurgus valde expertus. Hie cum manum admoveret operi, historicus 
capitis debilitati consulturus clam eduxit pyxidem recenti balsamo refertam, quo 
tempora capitis inunxit. Penetravit suavis odor in nares prope adstantium, qui 
mox suspicati sunt, odorem illum ascendere ex loculo non sine magno corporis 
sacrati argumento. Verum historicus monstrata pyxide errorem iis brevi exemit 
et odoris fontem monstravit. 

Chirurgus deinceps loculo aperto nonnisi partes pauculas quorumdam ossium 
pene consumptorum deprehendit et extraxit, ut adeo nemo aliqua sanctitatis 
iudicia deprehenderit. Ipse celsissimus princeps, cum videret, exspectationi tum 
suae, tum canonicorum non satisfieri, brevi discessit et in aulam se recepit. 
Digresso eum in modum episcopo jussere domini canonici, ut terra adhuc pro- 
fundius effoderetur, cum ecce ! apparebat pars quaedam sandaliorum, ut vocamus. 
Et hem ! mox in ecclesiam illam rursus revocatur episcopus et raisso etiam 
honesto viro historicus. Rediit cum suis idem sacer antistes ac inter famulos 
etiam historiographus. Exspectata rursum fuerant majora Ellenhardini corporis 
iudicia, verum frustra. Nullum etiam verum vestigium alicujus litui pastoralis 
aut mitrae comparuit, quamvis nulli labori pepercerit fossorum industria. Ita 
rursus cum suis discessit episcopus ac populus reliquus, nemoque Ellenhardinis 
applaudere potuit. 

Cum eum in modum adeo non fuisset satisfactum desiderio canonicorum, 
disputationi ulteriori locus datus est super Ellenhardi sanctitate. Collegii illius 
decanus, qui erat unus ex senioribus consilii ecclesiastici episcopalis, multa con- 
tulerat cum historico, imo ex iis, quae hie de Ellenhardo scripserat, plurima 
ultro permittente historico excerpserat. Itaque ut historicura confutaret et Ellen- 
hardi sanctitatem probaret, iugentes labores multo tempore impendit. Confer- 
tissimum libellum a se consarcinatum postea prineipi obtulit, in quo historicum 
passim satis acerbe vellicavit, Irritatus magnopere eo scripto celsissimus statim 
in mandatis terque quaterque dedit historico, ut sese defenderet et acuta dicteria 
a se averteret. Obediit tandem diu reluctatus historiographus et in paueulis 
foliis apologiam brevieulo tempore conseripsit. Hanc cum avidissime exspectaret 
princeps, eam post triduum attulit historicus et in coena episcopo clara voce 
praelegit non sine oranium praesentium risu ingenti, cum nemo non intelligeret, 
quam infirma argumenta decanus attulisset, quam nullam insultandi historico 
occasionem habuisset. Celsissimus apologia illa plane laetatus imposterum eam 
etiam aliis consiliariis suis discutiendam dedit, qui omnes uno ore testati fuere, 
in apologia illa nihil ad evidentiam desiderari posse. Ita disceptatio illa eum 



47 

risu finem accepit. Apologiam ipsam celsissimus in chartariis suis reponi jussit. 
Ea etiam in archivo Benedictoburano et alibi asservatur. 

5) [67] 1724. 12. Julii, matutino tempore, illustrissimum et reverendissi- 
mum collegiura cathedrale quatuor e gremio suo sodales canonicos deputavit ac 
misit ad eumdem celsissimum principem episcopum graviter protestaturos adversus 
picturas novas in ecclesia cathedrali ordinante P. Carolo coeptas, quippe in quibus 
nolebant s. Corbinianum pingi in vestibus hominem Benedictinum praesentantibus. 
Aegerrime id tulit princeps, maxime cum eorum canonieorum unus caeteris esset 
vehementior. 

. . . Comes Payrspergius dominus . . . canonicus, qui etiam canonicatu Aich- 
stadiano gaudebat . . . , ad se statim seorsim evocavit P. Carolum eumque remotis 
arbitris interrogavit, an ergo s. Corbinianus aliter in ecclesia cathedrali pingi 
non possit nisi in babitu Benedictino? Respondit P. Carolus, in rebus ante in- 
augurationem episcopalem gestis aliter pingi non posse neque id displicere debere 
reverendissimis dominis canonicis, cum et s. Rupertus in metropolitana Salisbur- 
gensi et in cathedrali Aichstadiana s. Wilibaldus eodem habitu cernantur depicti. 
Visus est denique dominus ille canonicus capere, se et collegas suos rem petere, 
quae peti convenienter non poterat. 

Altera statim die, 13. Julii, a reverendissimo cathedrali capitulo missus ad 
P. Carolum venit reverendissimus dominus canonicus de Fraporta, qui eidem ex- 
posuit Votum sodalium suorum, nempe ut in cathedrali ecclesia pingerentur ea 
solum divi Corbiniani acta, quae Frisingae contigere. Respondit P. Carolus primo, 
quod omnia, quae hactenus fuissent penicillo expressa, respondeant veritati hi- 
storicae et jam fuerint approbata a celsissimo, absque cuius nutu et assensu 
nihil mutare sibi liceat; secundo si eliminandae essent picturae eousque factae, 
profecto etiam ex cathedrali basilica debere migrare proprium breviarii Frisin- 
gensis, quippe ubi in prima statim lectione IL Nocturni de s. Corbiniano legatur, 
eum sibi aedificasse monasterium; tertio hoc modo contradici omnibus antiquis 
scriptoribus Frisingensibus, nempe Ariboni episcopo, Cozroho monacho, Ottoni 
Frisingensi episcopo, Conrado sacristae, Joanni BVeiberger canonico, uti etiam 
omnibus catalogis episcoporum Frisingensium aliisque instrumentis ; itaque se non 
videre, cur picturae illae mutationem aliquam subire cogantur? Avidissime ista 
audivit reverendissimus dominus Fraporta, quippe ordini nostro vere addictissimus, 
ac cum gaudio reposuit P. Carolo, se crastina statim die expositurum collecto 
pleno capitulo ea fundamenta, quae is sibi proposuerat. Colloquio illi interea 
etiam intervenere primo excellentissiraus dominus aulae mareschallus ac paulo 
post etiam reverendissimus dominus abbas Benedictoburanus, ubi multa ad discur- 
rendum materia occurrebat. Porro rem totam postea tum excellentissimus dominus 
mareschallus, tum P. Carolus principi retulerunt, qui statim obfirmato animo 



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condixit, se non permissurum, ut circa picturas illas mutatio fiat. Interim domi- 
norum canonicorum factae frustraneae petitiones non solum apud alios viros nobiles, 
sed etiam apud illustres eorum uxores multum risum excitarunt. 

6) [72] 1724. Augustissimo imperatori Carolo VI reverendissimus Gott- 
wicensium nostrorum abbas nomine celsissimi episcopi ac principis unum exemplar 
[primi tomi Frisingensis historiae] obtulit, qnod caesar statim cum ipso abbate 
diligenter et accurate pervolvit, prout idem abbas datis literis Frisingam per- 
scripsit. . . . Illud caesari praeprimis placuit, quod episcopus Frisingensis ad illu- 
strandam rem literariam tot praestantia et tam antiqua documenta (quippe quorum 
in primo solum tomo plus quam mille quingenta exhibentur) cum literario orbe 
communicare voluerit, optavitque idem literatissimus Imperator, ut bujus episcopi 
exemplum omnes caeteri Germaniae principes imitarentur, sie demum eventurum 
esse asserens, ut in plenam antiquitatum Germanicarum notitiam eruditi devenire 
possint. Reverendissimi domini Frisingenses canonici, quorum unus, nerape comes 
Payrspergius, in aula caesarea eo fere tempore versabatur, intellectis tantorum 
virorum super historia Frisingensi judiciis deinceps de ea longe mitius sensere. 

7) [72] 1724. Inter haec P. Carolo inter novos labores injunctum fuerat, 
ut etiam universam millenariam festivitatem conscriberet et panegyres per octi- 
duum dictos ad typos pararet. Ingen ti iterum labore negotium illud eidem stetit. 
Superi ! quam tardi fuere nonnulli ex sacris illis praeconibus in panegyricis suis 
Frisingam raittendis? Misere nihilominus temporis tractu singuli, et P. Carolus 
reliqua adjecit opusculuraque appellavit „Das dankhbahre Freysing", quod postea 
Frisingensibus typis in publicum prodiit. 

II. Meichelbecks Ansicht über das Studium der Tlieologie. 

(Ann. Congr. Ben. Bav. II, 80.) 

Eodem fere tempore venere Parisiis ex monasterio S. Germani a Pratis 
ad nos literae responsoriae reverendi patris Petri Thibault, qui a quodam ex 
nostris^) interrogatus fuerat super ratione studiorum in congregatione S. Mauri 
observari solita. Itaque P. Petrus inprimis nos remisit ad librum Joannis 
Mabillonii de studiis monasticis. Postea subjunxit sequentia : „Annus apud nos 
literis humanioribus unus, duo philosophiae , tres theologiae impenduntur, ac 
postea Graecam Hebraicamque linguam ediscunt, qui ad has disciplinas apti et 
habiles videntur. Hanc autem docendi viam adhibemus: Quidquid recentiores 



1) D. i. von Meichelbeck selbst. „Quidam ex nostris" oder „sodalis noster" nennt er 
sich öfters in den Ann. congreg. Ben. Bav. und im Chronicon Benedictoburanum z. B. 368. 



49 

praeclare invenerunt aut ab aliis inventum auctius ac melius fecerunt, id in 
philosophia ad exacuenda juventutis ingenia proponitur, non tarnen sine delectu 
et animadversione, ne quid audacius ac minus submisse doceatur. In theologia 
autem scriptura et sancti patres et concilia theologicam supelleetilem ac omnia 
erroris refellendi instrumenta suppeditant, nee pauca ex scripturae, chronologia 
et historiae ecclesiasticae fontibus repetuntur. His adde domesticas exercitationes 
et de scriptura aut theologia morali aut historia ecclesiastica coUationes, quae 
decretis capitulorum generalium praescriptae magno interdum usui extiterunt". 
Haec Gallus ille noster. Quae si bene expenderimus ac praeterea consideraveri- 
mus, in nostro studio theologico exiguam hactenus haberi rationem sacrae scrip- 
turae, conciliorum, sanctorum patrum, minorem vero chronologiae aut historiae 
ecclesiasticae, cum forte vix unus e studiosis nostris ejusmodi libros afferat aut 
ad manum habeat, non mirabimus, cur fratres nostri e studio nostro referant 
equidem aliquam doctrinam, non vero aliquam sinceram eruditionem, sine qua 
quid est theologus, nisi merus ferme dialecticus ac metaphysicus? Dolendum 
insuper est, in theologia nostra notabilem temporis partem impendi quaestionibus 
plane inutilibus et subtrahi praedictis sincerioribus verae theologiae adjuraentis 
assequendis. si haec sincere expendantur ! quam brevi aliam formam indueret 
theologia nostra? quam aliter proficerent studiosi nostri Gallorum scilicet et 
Italorum nostrorum exemplo? 



III. Meichelbecks Gründe zur Yeröffentlichung der Urkunden des 
Benediktbeurer Klosterarchivs. 1731. 

Aus Meichelbeckiana 15. 

Motiva Generalia. 

li»o- Quidnam utilius, quid optabilius, quam ut documenta alicujus ecclesiae vel 
monasterii periculis incendiorum, direptionum, negligentiarum etc. in per- 
petuum subtrahantur et salva serventur ? Quosnam auri acervos profunderent 
multae ecclesiae, monasteria, principes ac nobiles familiae, si ipsorum docu- 
menta ignibus consumpta possent adhuc alibi reperiri, exhiberi ? Atqui 
toti huic periculo secure occurritur editione typographica, quia licet deinceps 
perirent ipsa documenta domestica autographa, tamen apographa semper 
sunt in tuto. et quidem in centenis bibliothecis. 

2^0- Quidnam utilius, quam si imposterum semper sint in promptu instrumenta 
pro defensione causarura et processus antiqui possint statim ob oculos poni 
et mille curae, labores ac molestiae vitari, et tamen possit ecclesia aut 
monasterium semper vivere securum de victoria ac jurium conservatione ? 

7 



50 

Id certissime praestat editio praedicta, uti demonstrat experientia. Hinc 
tantis studiis procuratur editio documentorum ab imperatoribus, regibus, 
ducibus, episcopis, abbatibus etc. quorum omnium sententias refragari 
periculosum est. 

ßtio. Jjonor et existimatio ecclesiarum maximopere dependet ab ejusmodi editione, 
prout quotidiana experientia docet et ipsi haeretici palam fatentur: imo 
etiam in monasteriorum extinctorum instrumenta diligentissime inquirunt, 
ac, si quid reperiunt, publicis typis comraittunt. 

4*°- Attendendum est non tantuni commodum privatum, sed etiam publicum 
ordinis, cui nihil magis deservit, quam editio cbronicorura et instrumen- 
torum, quae publicum Universum summe illustrant, maxime quando iis 
adjicitur explicatio critica ad errores detegendos. 

5***- Prae oculis hodie versantur infinita prope modum exempla omnium ordinum, 
statuum ac doctissimorum hominum judicia. Sola chronica monasteriorum 
hactenus edita et impressa numero fere centum mihi occurrunt, quorum 
nomina paratus sum exhibere. 

ßto. Nolebant antebac Frisingenses, ut ederentur documenta domestica. Nunc 
dolent, quod mihi non plura fuerint exhibita, quamvis jam ediderim duo 
fere millia. 

Motiva privata. 

1. Gloria fundatorum nostrorum vindicatur contra Pollinganos ac Wessofon- 
tanos. Pollinganorum cura et artificio Duellius edidit chronicon monasterii 
nostri Benedictoburani prochronismis, metachronismis et erroribus respersum. 
Huic nequiculae editioni omnino videtur occurrendum, quod aliter fieri non 
potest, nisi scriptione critica publica ad modernum stilum efformata. 

2. Omnino respondendum videtur ineptae scriptioni Wessofontanae de in- 
dustria contra gloriam fundatorum nostrorum vere inficete in publicum 
protrusae. Non sumus aggressores, sed defensores tantum, et quidem modesti. 

8. Controversiis de reliquiis s. Anastasiae in nostro chronico videbatur esse 
occurrendum, et quidem occurrimus, ut spero, momentis gravibus Roraanis, 
Constantinopolitanis, Veronensibus etc. et hoc ob socios Bollandianos etc. 

4. Singulariter occurrendum est errori P. Marci Hansizii S. J. qui contendit, 
regulam s. Benedicti primum a s. Bonifacio fuisse introductam in Bavariara: 
quod, si credatur, ordini nostro gravissime obest et multorum monasteriorum 
assertam antiquitatem evertit, initia episcopatuum nobis adimit, apostolatum 
extinguit. 

5. Patres nostri in Gallia continuant annales ordinis nostri. His, nisi suc- 
curratur, errores plurimi irrepent de monasterio nostro, ut hactenus multi- 
plex experientia docuit, prout in chronico diligenter demonstramus. 



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6. Toti viciniae fit gratissimum obsequium, cum ea illustretur solide: non 
dico tantura res Wahlnseenses, Jachenaugienses, Cochlenses, Hailbrunnenses 
etc. sed etiam res Tegernseenses, Beurbergenses, Habacenses, Pollinganae, 
Wessofontanae, Schlechdorfifenses, Murnavienses, Andecenses, Bernriedenses 
et aliorum plurium locorum, imo totius Bavariae. 

7. Utisperamus: cristas deponent aliqui vicini C.C. R.R.^), qui res suas supra 
modum magnificant; cum scilicet legerint de monasterio nostro res quasdam, 
quae ipsis nunquam venere in mentem, nempe praerogativae monasterii, 
merita majorum nostrorum publica summa, 

Demum obtuli me semper et offero ad emendendum, omittendum, 
addendum, quidquid rationabiliter videbitur, quippe qui laborem scriptionis 
maximum non aliter suscepi nisi ex niera obedientia et confratrum voto, 
cum fortassis non defuissent occasiones alibi servitia praestandi, commoda 
consectandi, rebus sacri ordinis serviendi. 

Expensae refunduntur per exemplaria et raulta alia commoda. 

IV. Meichelbecks Eingabe an die bayr. Benediktinercongregation betr. 
Herausgabe des Chronicon Benedictoburanum. 

Aus Meichelbeckiana 15. 

An chronici Benedictoburani editio ulterius sit differenda? 

Audio, a majori parte nostrorum responderi affirmative, et quidem, ut 
mihi significatum fuit, ex gravibus causis. 

Ego infelicem me haud immerito animadverto, quod mihi graves illae 
causae tantae dilationis de praeterito et futuro non occurrant; infeliciorem autem 
me existimo, quod mihi eae causae nullis modis aperiantur, adeo ut post diutinos 
et gravissimos pro monasterio domi forisque non infeliciter exantlatos labores 
ad versus factas tot promissiones nunc in fine ceu projectissimae vitae homo 
habear deterior ipsis patibulariis et maleficis, qui saltem solent audiri, antequam 
aliquid grave de iis statuatur. Mihi enim oranis defensionis locus subtrahitur, 
dum districte prohibetur, ne quis confratrum me de gravibus illis causis com- 
monefaciat, ut videre possim, quid forte respondendum sit? 

At ecce! respondet mihi alius, dilationem tantum fieri in aptius tempus. 
Obsecro, quodnam illud aptius tempus? num illud erit aptius tempus, quo ego 
fortassis cum pluribus meis nunc viventibus sodalibus positus in tumulo jam non 
potero dirigere typographum, non ei aperire meam mentem, consilia et alia 
summe necessaria, non operi etiam edito assistere illudque defendere! Debemus 
omnes mortem quotidie habere ante oculos suspectam : ego potissimum, qui jam 

1) Wohl , canonici reguläres*. 



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ab annis pluribus sum subjectus deliquiis et debilitatibus capitis et infirmitatibus 
stomachi, qui plures cibos, nominatim pisces omnes, olera et quidquid aceto 
conditur, penitus rejicit, qui vix non edentulus, utpote dentium raolarium auxilio 
fere destitutus, multos alios cibos solidiores non possum commordere et debili 
stomacho coramittere? qui fractis labore viribus et aetate progrediente mihi 
profecto non possum sperare, minus promittere vel unius anni decursum. Ässide- 
bant mihi antehac ad dexteram reverendi patres Josephus, Angelus, Maurus, 
Alphonsus, Bernardus, et mortui sunt, a sinistris reverendi patres Gerardus et 
Leopoldus, et mortui sunt, taraetsi ii omnes firmioris prae me constitutionis 
fuerint, et ego inter hos medius spera mihi faciam vitae adhuc producendae 
cum ea corporis constitutione, de qua omnibus constat. Dicet mihi aliquis: 
Post mortem tuam non deerunt, qui vicariam tibi operam praestabunt. Gratias 
tibi amice! Vis dicere, id futurum apto scilicet tempore. Nolo autem ad hoc 
plura respondere. Audi interim, quid tibi simile solatium suggerenti responsuri 
sint artifices, verbi gratia statuarius aut pictor, qui uni suo operi jam viginti 
annos impenderunt, ultiraam vero manum, et alienam quidem post mortem 
praestolari juberentur? 

Jam vero quis prudens suadeat, ut fundatorum nostrorum dudum lacessita 
merita diutius maneant indefensa? quis snadeat, ut residua documenta nostra, 
jam alias dudum bellis, ignibus, direptionibus plurimum imminuta, non subtra- 
hantur quam primum omnibus iis periculis? quis suadeat, ut controversiae de 
reliquiis s. Anastasiae non mature occurratur ? quis suadeat, ne honori ordinis 
nostri circa quasdam difficultates et dubia succurratur quantocyus ? quis non optat, 
ut feruentibus modernis acerbis tricis Austriacis reperiatur, qui modestissime, 
solide tamen, litigantium aestum mitiget ? quis suadeat, ut ulterius insultari patia- 
raur juribus nostris ab Hörwartho comite, a praefecto Murnaviensi, imo etiam 
ab ipsis dicasteriis Boicis? Profecto qui similia suaderet, ego eura negarem esse 
amicum ordinis, monasterii, imo reverendissimi domini abbatis, quippe qui, tametsi 
hoc ipso tempore monasterium intra ambitum et alibi illustrare non cesset, pro- 
hiberetur tamen illud editione chronici etiam foris apud exteros illustrare, quod 
quid est, quam partem gloriae potissimam ei eripere? Dens bone! quoties justo 
tuo judicio nocuit diJfferre paratis ? 

Replicabit alius: Verum tu, Carole, ob tua demerita dignus non es, ut 
votis tuis deferatur. Respondeo 1"^'' , me nee ignorare nee diffiteri mea demerita, 
sed quae tu certissime non potes probare. Paratus sum coram quovis judice 
causam meam defendere, quod certissime non fiet sine aliqua tui confusione. 
Tenta, si placet. Respondeo 2^°-. Si non vis contueri labores meos, saltem attende 
merita sanctissimi patris ßenedicti, s. Anastasiae, fundatorum et benefactorum 
nostrorum, attende utilitatem, quae ex celeri editione chronici, uti confido, evi- 



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denter accedet monasterio pluribus ex causis, quas tu fortassis aut perspectas non 
habes aut certe habere non vis. 

Insurget alius ac dicet: Nimii sumptus requiruntur ad editionem chronic!. 
Respondeo: Quadringenti floreni suntne sumptus nimii? Deinde summa illa com- 
pensatur exemplaribus operis, quae poterunt singulis nostrorum distribui et patronis 
etiam nostris in honorarium offerri, ut notitiam potissimarum rerum et jurium 
nostrorum fundamentalem acquirant neque deinceps in antiquis tenebris ambulent. 
Plura etiam exemplaria poterunt aut vendi parato pretio aut etiam cum aliis 
libris permutari, uti praxis hactenus docuit. Non repeto caeteras utihtates, de 
quibus supra et ahbi dudum. 

Kursus alius objiciet: P. Carolus est nimium solicitus pro sui aestimatione. 
Respondeo : Ego non quaero gloriam meam , maxime postquam jam dudum 
(tametsi praeter meritum meum) viris literatis etiam summis fere per Europam 
innotui. Verum etiam haud libenter consector infamiam, quae mihi inferretur 
ex suppressione aut retardatione operis, quod (assentiente ipso reverendissimo) jam 
promisi Romanis, Viennensibus, Salisburgensibus multisque aliis, qui non poterunt 
capere tarditatem nostram vel etiam credent, me nescio quid peccasse aut 
scissuras ac aemulationes inter nos esse, et quae erit haec gloria nostra? 

Ego certe non committam, ut aliquid honoris decedat monasterio nostro, 
cujus annus praesens a restauratione et ordinis nostri reintroductione, anno 1031 
facta, est septingentesimus et jubilaeus, memoria utique singulari dignus. Haec 
iis, qui dilationem Optant. Caeteris gratiarum actionem, qui dilationem magnis 
momentis rejiciunt. 

Qui fortassis optabunt, ut chronicon meum emendetur, suggerant, obsecro, 
mihi, quid? ubi? et quomodo sit emendandum? Ego semper fui, sum et ero 
paratissimus serena fronte excipere admonitiones et, prout res patietur, sequi, 
cujus rei mihi testis amplissimus est ipse reverendissimus dominus abbas noster. 

In Omnibus glorificetur deus ! 

P. Carolus.^) 

1) Diese Erklärung hat Meichelbeck nach eigener Angabe schon 1731 als ,tacita 
responsio" auf den Beschluss des Conventes von Ende Juli d. J. (vgl. Anm. 58) niederge- 
schrieben. Dass er dieselbe am 11. Aug. 1733 den Visitatoren der bayr. Benediktiner- 
congregation „proponiert" (s. Anm. 60) hat, dürfte daraus hervorgehen, dass er unten auf 
derselben angemerkt hat: „Annus 1733 a coepto monasterii aedificio millesimus". Erbringt 
durch diese Angabe dieses Schriftstück in Zusammenhang mit dem von ihm ersehnten 
Jubiläum seines Klosters, d. h. er macht dasselbe damit als die Proposition kenntlich, welche 
bewirkte, dass der Druck des Chronikons Benedictoburanum's, der Festschrift für dieses 
Jubiläum, beschlossen wurde. 




Alcademieche Buchdruckerei 



F. Strnnb in Mttnchen.